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Kim Wilde, glücklicherweise nicht geraubt.

Kim Wilde

Aus dem Wald ins All

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„Here Come The Aliens“, das famose neue Album von der einstigen Pop-Prinzessin Kim Wilde.

Wenn sie irgendetwas Großartiges in ihrem Leben vollbracht habe, sagte Kim Wilde vor Jahren in einem Zeitungsinterview, dann … Moment, wir raten mit: „Kids in America“ (1981)? Nein. „You Keep Me Hanging On“ (1986)? Nein. Äh … etwa das Duett „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ mit Nena (2003)? Auch nicht, sondern dies: „Ich habe einen Wald geschaffen“, und zwar in ihrem eigenen Garten in der Grafschaft Hertfordshire, ein paar Meilen nördlich von London. Da war eine leere Fläche, und dann wurde in jahrelanger Arbeit ein Wald draus, aus dem ihr schließlich eine Eule entgegenflog.

Ein Wald ist eine hervorragende Angelegenheit. Menschen haben schon weitaus Geringeres erreicht, und Kim Wilde, eigentlich mit bürgerlichem Namen: Kimberly Smith, die gelernte Landschaftsgärtnerin, mag damit ihrer ersten Profession die Krone aufgesetzt haben. Aber bei den Freunden der Popmusik würde eine ziemlich große leere Stelle in den Blonde-Sängerinnen-Regalen klaffen, hätte sich die Britin auf ihren grünen Daumen beschränkt.

Aktuell kommt ein besonders schönes Stück dazu: Kim Wildes neues Album „Here Come The Aliens“ ist schon rein optisch ein Genuss, das Cover im Stil amerikanischer Monsterfilme der 60er Jahre gestaltet: „Recorded in Technisound“, „Starring Kim Wilde“ – die verletzlich wirkende blonde Frau duckt sich im Angesicht einer entsetzlichen Bedrohung ans Ufer, die See tost, das Fremde streckt schon seine Hände nach ihr aus.

Zwölf Lieder sind auf dem neuen Werk der inzwischen 57-jährigen Pop-Prinzessin von einst gelandet, die erste Single „Pop Don’t Stop“ ein richtiger Ohrwurm – mit einem Intro übrigens, das fast identisch ist mit der Ouvertüre zu „Video Killed The Radio Star“ von den Buggles (1978), aber das nur am Rande. Kims Bruder Ricky Wilde war diesmal für die Produktion des Albums (auf dem eigenen Label Wildeflower) zuständig und fand eine ausgewogene Mischung aus Melodien und druckvollen Rock-Riffs. Die Stimme seiner großen Schwester hat nichts verloren über die Jahre; sie gewinnt eher noch an Wärme. Naturgemäß hat sich das Mütterliche verstärkt, das Kim Wilde irgendwie, irgendwo schon immer transportierte, selbst mit Anfang zwanzig, zumindest im Vergleich mit anderen Eroberinnen der Hitparaden jener Zeit.

Der Albumtitel findet sich wieder in „1969“, dem fetzigen Auftaktstück. Aber wieso Aliens, was hat sie denn bloß mit den Außerirdischen? Nun, vor neun Jahren besuchte ein UFO die Erde, groß wie ein Hochhaus, zufällig ebenfalls in Hertfordshire, oder eben nicht zufällig, überlegte Kim Wilde: „Vielleicht ist der Kapitän ein großer Kim-Wilde-Fan und wollte mal schauen, wo ich wohne“, sagte sie zu ihrem Mann. „Ich frage mich, ob er mich hochbeamt und verlangt, dass ich für den Rest meines Lebens ,Kids In America‘ singe.“

Bekanntlich kam es dann doch anders (oder unsere Kim Wilde hier auf der Erde ist gar nicht die echte Kim Wilde, sondern eine Kopie, und die echte ist unterwegs im UFO und singt „Kids In America“). Das Lied „1969“, ausgehend von der ersten Mondlandung, erzählt dann auch eine ganz andere Geschichte: Die Extraterrestrischen führen nichts Böses im Strahlenabwehrschilde, sondern sie wollen uns womöglich vor der Apokalypse retten, die wir selbst verursachen. Vielen Dank, liebe Aliens. Auch dafür, dass ihr Kim im Oktober auf Tournee nach Deutschland beamt.

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