Klaus Florian Vogt.
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Klaus Florian Vogt.

Staatstheater Wiesbaden

Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt: Lohengrin singt Schubert

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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„Die schöne Müllerin“ für Klaus Florian Vogt und Kammerensemble am Staatstheater Wiesbaden.

Wer an Klaus Florian Vogts „Schöne Müllerin“ in der Oper Frankfurt 2011 zwiespältige Erinnerungen hat – die Intonation, das Übermaß an Opernbühnenkraft –, konnte sich jetzt neun Jahre später im Staatstheater Wiesbaden praktisch restlos bezaubern lassen. Der große Wagner-Tenor, damals zumindest mit öffentlichen Auftritten als Liedsänger noch am Anfang, kontrollierte die Situation nun nahezu perfekt. Dass das Kunstlied nicht den kleinsten Schnitzer verzeiht – weder beim Text (und die „Schöne Müllerin“ ist nicht wortkarg) noch bei unsicherem Stimmsitz (und Schubert baute in die Strophenseligkeit gefährliche Wendungen ein) –, wandelte sich hier in einen Rest von geradezu ergreifender Verletzlichkeit. Sie stand in einem phänomenalen Kontrast zur blanken Schönheit von Vogts Stimme, die sich in den Tiefen farbenreich ausbreitete, in den (raren) Höhen des Zyklus’ aber reine Gralsritter-Strahlkraft bot.

... und soll es ewig bleiben

Viele vernünftige Menschen hören Franz Schuberts Lieder am Ende doch am liebsten von einem Bariton. Als Vogt aber in Nr. 7 „Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben“ sang, hätte selbstverständlich sofort eine Zeitschleife eintreten sollen, um es wieder und wieder zu hören. Schubert berücksichtigte dieses Bedürfnis zwar, aber es war trotzdem noch nicht genug. In Nr. 11, „Mein!“, zeigte sich dann noch einmal der vom Komponisten und vom Sänger so berauschend ausgeführte Umgang mit den Possessivpronomen als schönstem Ausdruck illusionärer, aber für den Augenblick hundertprozentig wahrer Begeisterung.

Aufgeführt wurde Andreas N. Tarkmanns Fassung für Tenor und Kammerensemble, von Vogt bestellt und im vergangenen Jahr in der Elbphilharmonie Hamburg erstmals präsentiert. In der minimalistischen Phase des Musiktheaters ist das ein optimales Werk: Das Oktett aus dem Orchester des Staatstheaters erinnerte immerhin an ein Orchesterklängchen, zugleich faltete sich die harmonische Welt der Schubert-Kammermusik auf.

Das distanzierte Sitzen ist für die Mitwirkenden gewiss schwierig, für die Klangausbreitung aber nicht unangenehm. Die Disziplin und Intelligenz der Orchestermitglieder schlug durch, wenn die kleine Gruppe sich wahrhaft organisch aufeinander einstellen und miteinander durch die komplexe Musik bewegen musste. Klaus Florian Vogt, hier ein echter Bühnenheld, bewegte sich seinerseits souverän in der weiten Mitte, Leidenschaft und Betroffenheit vermittelte er, ohne exaltiert ausholen zu müssen.

Keine Zeitschleife also in Wiesbaden, Nr. 7, „Ungeduld“, gab es aber noch einmal als Zugabe. Der Sänger selbst zeigte sich gerührt – kaum einer an diesen ersten Konzertabenden, der die Freude, wieder vor sicht- und hörbaren Menschen aufzutreten, nicht zur Sprache gebracht hätte. Die andere Seite verhielt sich nicht minder enthusiastisch.

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