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Tanz

„Wagner Project“: Sie bleiben fokussiert, weil es nur so funktioniert

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Junge Rapper und Rapperinnen bewerben sich im Frankfurter Mousonturm für das „Wagner Project“.

Mit Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ hat trotz des Titels das große „Wagner Project“ des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm eher wenig zu tun. Als Verbindungslinie dient, dass es hier wie dort um eine Gruppe von Menschen geht, die sich in Bezug auf ihre Musik feste Regeln gegeben hat, was Komposition und Vortrag betrifft, die außerdem in einen Wettbewerb miteinander treten. Die nun unter der künstlerischen Leitung des japanischen Theaterregisseurs Akira Takayama lernenden und zuletzt zu einer gemeinsamen Show antretenden Rapper sind also insofern „Meistersinger“, als sie sich mit ihrem Sprechgesang in einem recht strengen Regelsystem bewegen und ebenfalls „battles“ ausfechten.

Auch der in dieser Musik eher Unbewanderten wurde dieses System bald offenbar, als nun Rapper und Rapperinnen aus der Region zum Auftakt des „Wagner Project“ am Freitagabend zur Audition antraten. Es gab 73 Bewerbungen, allerdings tauchten am Freitagabend nur 39 von denen auf, die sich angemeldet hatten. Die jungen Leute waren zwischen 15 und Mitte dreißig, waren komplette Laien oder wirkten bereits sehr professionell, viele kamen aus Frankfurt und Umgebung, die meisten rappten auf Deutsch. 18 von den 39 sollen nun bis zum 8. Dezember im Mousonturm in die „School of Hip Hop“ gehen können, mehr als 50 Lehrende sind beteiligt an Workshops, Vorträgen, Konzerten. Beziehungsweise wurden am Ende 19 Vorrappende ausgewählt: Zwei junge Frauen gab es „nur zusammen“, so drückte man wohl eine Auge zu.

Denn ohnehin ist das immer noch eine männlich geprägte Szene. Die Körpersprache der Macker gehört mal mehr, mal weniger dazu, Handzeichen sowieso. Im gut geheizten Theatersaal des Mousonturms geht es kaum einmal ohne Wollmütze und dicke Jacke, nur die jungen Frauen mummeln sich nicht ganz so sehr ein. Am Ende tritt einer in Kanariengelb auf, er nennt sich Marc Maximus, eine Sensation im Fast-nur-Schwarz aller anderen. Dann Tetraphobik mit lila Sturmhaube, schweren Ketten, Röckchen: Auf die Frage, welche Art von politischen Texten er denn schreibe, sagt er nur, das sei doch offensichtlich.

Während die Rap-Szene in Gesten und Kleidung etwas unsinnig an alten Bräuchen festzuhalten scheint, haben sich diese jungen Hip-Hopper doch mit ihren selbstgeschriebenen Texten – die sie a cappella vortragen oder zu denen sie sich einen Beat einspielen lassen – von den gewaltverherrlichenden und sexistischen Ursprüngen weit entfernt. Fast allen, die an der Audition teilnahmen, geht es ums politische Statement, um Gerechtigkeit, Gesellschaftskritik, „Zeichen setzen“. In den Vorträgen steckt Dringlichkeit. Trillie.sx aus Dubai rappt auf Arabisch, aber bestätigt danach, dass es um Freiheit geht. SeS kommt direkt aus der Arbeit, steckt noch im Blaumann und reimt aber wie ein Meister: „ich bleib fokussiert, weil es nur so funktioniert“. Und Josi, 16, hat einen schönen, präzise rhythmischen Entschuldigungs-Rap geschrieben, offenbar hat sie jemanden verletzt und nun tut es ihr leid.

Unheimlich viel Talent wurde in gut drei Stunden Audition sichtbar. Das Ergebnis des „Wagner Project“ gibt es am kommenden Sonntagabend zu hören.

Mousonturm,Frankfurt: bis 8.

Dezember. www.mousonturm.de

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