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Er war ein Ausnahme-Trommler: Peter Sadlo.
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Er war ein Ausnahme-Trommler: Peter Sadlo.

Nachruf Peter Sadlo

Das Vorbild aller Trommler

Mit nur 54 Jahren starb Peter Sadlo, der erste Superstar des klassischen Schlagwerks.

Von Stefan Schickhaus

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Weißt du, was ich nicht an dir mag? Dein Ego ist zu stark!“ An diesen Satz aus dem Mund von Sergiu Celibidache erinnerte sich Peter Sadlo in einem Interview. Celibidache war Chefdirigent und graue Eminenz der Münchner Philharmoniker, Sadlo war dort Solo-Pauker und jung. Ein Pauker mit Ego und Können, so groß, dass der anfangs kritische Dirigent ihn irgendwann „meinen Star“ genannt hat. Sadlo sei eines der Aushängeschilder des Orchesters, habe Celibidache zu ihm gesagt. Und das ist schon etwas Ungewöhnliches: Der Pauker aus der letzten Reihe als Zentralgestirn der Philharmoniker.

Aber Peter Sadlo war auch nicht irgendein Pauker. Der gebürtige Nürnberger, Jahrgang 1962, war in den Achtzigern der erste klassische Schlagzeuger, der es in die Riege der Topsolisten schaffte; alleine in der wenige Jahre jüngeren Evelyn Glennie hatte er eine Kollegin auf Augenhöhe. Gerade einmal 20-jährig wurde er bei den Münchner Philharmonikern aufgenommen, immerhin 15 Jahre bereicherte er das Orchester. Schon davor war er aber auch solistisch aktiv, hatte als noch nicht 18-Jähriger bereits ein Henze-Werk uraufgeführt, weil sein Lehrer Siegfried Fink für den Termin ausgefallen war. Fink, ein geradezu missionarischer Förderer des klassischen Schlagzeugspiels, war Sadlos erster großer Mentor, Sergiu Celibidache wurde der zweite.

Auf Sadlo bauen sie alle auf. Ob Martin Grubinger, der aktuelle Superstar der Szene („Unser großes Vorbild“ nennt der Österreicher den Nürnberger), ob Simone Rubino oder Alexej Gerassimez, die beiden bestplatzierten des ARD-Musikwettbewerbs 2014, beide Schüler Sadlos: Sie ernten, was er gesät hat. Profitieren davon, dass das klassische Schlagzeug mit seinen rund 100 Instrumenten ernst genommen und von zeitgenössischen Komponisten mit Werken versorgt wird.

Den ARD-Wettbewerb gewann Sadlo 1985 selbst und setzte dort Maßstäbe. Seitdem werden Virtuosen wie er nicht mehr nur als Freaks wahrgenommen, die auf alles trommeln, was ihnen in die Finger kommt. Vielmehr als komplette Musiker, mit Sinn für Klang, Farben, Melodie. Wobei er sich dabei noch nicht ganz am Ziel sah. Er wünsche sich für die Zukunft, „dass man das Schlagwerk noch mehr als sensibles Musikinstrument wahrnimmt und entsprechend mit ihm arbeitet, also Phrasierung und Artikulation, Klang, alles, was eben zur Musik dazugehört“, so Sadlo. Und „dass es irgendwann für uns genau dieselbe Literatur gibt, die jeder Violinist oder Pianist zur Verfügung hat, mit Tausenden von guten Stücken, so dass man sogar ein ganzes Konzertprogramm meinetwegen nur mit der kleinen Trommel spielen kann.“

Peter Sadlo, vor gut einem Jahr im Frankfurter Römer mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet, verstarb 54-jährig in der Nacht zum Freitag an unerwarteten Komplikationen während einer Operation in einem Münchner Krankenhaus.

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