Museumskonzert mit Daniel Lozakovich

Vom Zarten hält er Abstand

  • vonBernhard Uske
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Das Museumsorchester mit dem Geiger Daniel Lozakovich und Werken von Brahms, Wagner, Mendelssohn Bartholdy.

Ein Konzertprogramm wie mit inhaltlichem Sicherheitsabstand bot die Museumsgesellschaft mit ihrem 2. Sinfoniekonzert im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper: Keinem zu nahe tretend und die markierten Wege nicht verlassend. Ein romantisches Programm, dessen Zusammenstellung vor 140 Jahren sicherlich einmal konfliktuös gewirkt hat, heute aber nur noch mit musikhistorischer Umständlichkeit vermittelt werden könnte. Johannes Brahms und Richard Wagner, die Exponenten einst unversöhnlicher ästhetischer Lager.

Und als Pufferzone Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert op. 64, mit dem das neu ausgerufene Wunderkind Daniel Lozakovich (geboren 2001 in Stockholm, „majestätisches Musizieren, das Kritiker und Publikum in seinen Bann zieht“) auftrat. Ein von den Zartheitsergüssen vieler jugendlicher Mendelssohn-Befühler Abstand haltender Zugriff, der aber auch der marktgerechten Verstrubbelungs- und Aufbrezelattitüde mancher Geiger fernstand. Nicht zu breit, nicht zu getragen und mit dem für den artistischen Aspekt des Konzerts, der unter seiner romantischen Oberfläche ein klassizistisches Bewegungsregiment führt, genauen sowie schnellen Fingersetzen. Daniel Lozakovich: man konnte an Christian Ferras, auch Henryk Szeryng denken. Klassisch romantisch war die Begleitung durch das Museumsorchester, das durch seinen Chef Sebastian Weigle angefeuert sehr aufgeweckt reagierte.

Um ein Wunderkind ging es auch bei Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ – der Morgengabe des Komponisten für seine Gattin Cosima aus Anlass der Geburt des dem „Ring“-Helden gleichnamigen Stammhalters. Eine großartige Aufführung, die den vielen theatralischen Aspekten dieser ganz leicht und innig vermittelten zwanzigminütigen Familienfeier gerecht wurde. Ausgeformte Versonnenheit eines Mannes, der seine dramatischen Lebens- und Liebesvollzüge in endgültige Beruhigungen gewandelt hat mittels treffender Motiv-Nutzung aus seinen Werken. Bis hin zur Verschlingung der auf- und absteigenden Linien des Paares und dem sich daraus entwickelnden Siegfried-Motiv.

Gegenüber dem zart gestimmten Wagnerton klang zuletzt mit den „Haydn-Variationen“ betitelten Sätzen über einen Haydn bloß zugeschriebenen Antonius-Choral ein herber Brahms auf. Dirigent und Orchester boten einen den variantenreichen Verlauf des Chorals konturierenden, strengen Bewegungszug und eine gewisse Schwere. Haltung und Variation des rhythmischen Gerüsts waren beeindruckend. Derweil es in der vorletzten Variation zu einer ganz anderen Atmosphäre kam. Einer herrlich schwebenden, fast walzenden Kreisläufigkeit. Wie der Anfang eines ganz anderen Stücks – eines nie geschriebenen Johannes-Idylls.

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