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Dorothea Röschmann im Frankfurter Opernhaus.

Oper Frankfurt

Volle Entfaltung

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Dorothea Röschmann gibt in der Oper Frankfurt einen opulenten Liederabend, am Klavier Malcolm Martineau.

Zuletzt hatte man sie erlebt in Salzburg in Peter Steins Inszenierung von Franz Schuberts „Fierrabas“. Dorothea Röschmann gab da die Florinda als Tochter des maurischen Herrschers: eine Serail-Stimme, weich mit weitem Schwingungsradius, eingedunkelt selbst in den höheren Lagen. Aber auch ausgestattet mit der Fähigkeit zur dramatischen Schärfe, die in schneidendes Timbre überzugehen vermag.

Jetzt hatte die 50-jährige gebürtige Flensburgerin ihren Auftritt in der Liederabend-Reihe der Oper Frankfurt mit einem durch und durch romantischen, deutschen Programm. Franz Schuberts „Gesänge aus Wilhelm Meister“, die Mignon-Lieder, standen am Beginn und machten im Röschmannschen Format eine glänzende Figur. Das Unbestimmte, Ungeklärte der Identität der Goetheschen Figur war in dem runden, fließenden Duktus, der sich verhalten gab, sehr gut getroffen. Retrospektivität ist dieser Stimmführung eigen: eine gewisse Schwere, Fülle, die an länger zurückliegende Gestaltungsweisen denken ließ. Umhüllend, körperlich, weniger mager und nicht, wie heute so oft, mit dem vokalen Fineliner gezeichnet.

Es ist auch eine Stimme für jenseits des Orchestergrabens, die größeren Spielraum braucht, um sich voll entfalten zu können. Eine Stimme, die in der Mitte des Parketts ganz aufgegangen ist. Wo sich das reiche Obertonspektrum gemischt hat und sich richtig ausbreiten kann.

Bei Gustav Mahlers „Fünf Liedern nach Gedichten von Friedrich Rückert“, die man meist in der Orchesterfassung hört, war Röschmanns Sopran natürlich wie angegossen und ließ die pianistische Begleitung, die in den Händen Malcolm Martineaus lag, etwas blass erscheinen. Ansonsten war der Vortrag des Pianisten in seiner Dezenz sehr bemüht um markante Darstellung von Details bei nahtloser Verbindung mit der Sängerin.

Eine Spezialität waren „Fünf Lieder nach Gedichten der Königin Maria Stuart“, die Robert Schumann als seinen letzten Beitrag zur Gattung des Liedes 1852, vier Jahre vor seinem Tod, vertonte. Entnommen einer Sammlung von Maria Stuart-Texten, „Rose und Distel“, die Gisbert von Vincke übersetzt hatte und die nur zum Teil von der hingerichteten Königin selber stammten. Röschmann brachte hier ihre ganz unaffektierte Gestaltungskraft intensiv ins Spiel. Das galt auch, bei vergrößertem Stimmvolumen, für Richard Wagners fünf Jahre später komponierte „Fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck“. Eine sowohl beziehungsreiche als auch höchst differente Verbindung zwischen zwei Textvorlagen aus weiblicher Hand.

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