Rheingau Musik Festival

Auf vokalen Höhenzügen

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Ein Liederabend Anna Prohaskas als Klangfries in Kloster Eberbach.

Fledermäuse oder wohl eher Mauersegler als faunische Trabanten und Symboltiere der frühen weiblichen Zentralfiguren der abendländischen Opern-Mythologie: Dido und Kleopatra. Beim Rheingau Musik Festival in Kloster Eberbach jedenfalls veranstalteten drei dieser höchst beweglichen Luftakrobaten ein reizvolles Flatter-Mobile in der Vierung der Basilika zu Häupten des Ensembles Il Giardino Armonico, das zum Liederabend mit der Sopranistin Anna Prohaska angetreten war. Arien aus Dido- und Kleopatra-Opern italienischer, englischer und deutscher Komponisten der Spätrenaissance und des Barock standen auf dem Programm, das sich als ein nahtlos gestalteter Klangfries entrollte.

Als affektstarke Passion in ihren nationaldifferenten Formaten: die exaltierte und verführerische Eleganz der Italiener Sartorio, Castrovillari oder Cavalli; die dezente und klar strukturierte Intensität aus England (Purcell und Matthew Locke); die Dramatik und furiose, aber auch liebliche Haltung der Deutschen (Christoph Graubner und Johann Adolf Hasse). Bei letzteren wurden die beiden Damen am stärksten in aufgeregter Direktheit präsent.

Anna Prohaska, die 1983 in Neu-Ulm geboren wurde, verstand es, mit der Beweglichkeit ihrer Stimme, die anfänglich zu knapper Phrasenschließung neigte, das Publikum völlig zu überzeugen. Auf sicherste Weise wurden die vokalen Höhenzüge beschritten, und das verbunden mit einer sehr schönen Klangfarbe. So wenig Gewicht sie auf die Artikulation zu legen nötig hatte, so körperlich plastisch war doch das Gestaltprofil in jedem Moment und gerade bei den mächtig Druck ausübenden deutschen Darstellungsweisen.

Die Hochflieger schienen mittlerweile zu Nest gegangen zu sein bzw. hatten sich ins Dunkel des hinteren Kirchenschiffs zurückgezogen. Ihre pfiffartigen Klangbeiträge jedenfalls begleiteten den zweiten Teil des Abends im „harmonischen Garten“ nicht mehr. Hier setzte, ebenso wie im ersten Teil, das 17-köpfige Ensemble, das seit 1985 unter der Leitung Giovanni Antoninis steht, seine Beiträge ohne Gesang fort, was vor allem Georg Friedrich Händels c-Moll Concerto grosso (Nr. 8 op.6) betraf. Eine ausdifferenzierte Interpretation im Rahmen historisch informierter Aufführungspraxis, bei der das allseits bekannte Alte-Musik-Wippen nicht alles war.

Großartig der Eindruck, den die Musiker mit Auszügen von Matthew Lockes „The Tempest“ hinterließen. Ein regelrecht experimentell zu nennendes Klangprodukt des 1677 gestorbenen Komponisten. Eine fesselnde Synthese aus sensualistischer Turbulenz und rationalistischer Harmonie-Kalkulation. Zusammengezwungen in einem artistischen Schematismus wie die zwei Seiten ein und derselben Medaille.

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