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Ekkehard Jost gestorben

Zur Vivisektion der Musik

  • vonHans-Jürgen Linke
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Der Saxofonist und Autor Ekkehard Jost ist tot.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Jazz in Deutschland legal geworden war, war Ekkehard Jost als junger Musiker schon recht früh dabei. Der junge Saxofonist, geboren 1938, hatte den Bebop im Ohr, und wenn auf ländlichen und kleinstädtischen Festen in der Norddeutschen Tiefebene spät abends die Walzer-und-Standard-Tanz-Zeit vorbei war oder wenn ein Schiff mit amerikanischer Besatzung in Bremerhaven anlegte, dann wurde Jazz gespielt.

Jazzmusiker suchten sich ihre Musiksozialisation damals selbst zusammen; sie gestaltete sich bei Jost vielseitig. Auch sein Studium der Musikwissenschaft, Physik und Psychologie in Hamburg verweist auf weiträumige inhaltliche Interessen, und seine Promotion über „Akustische und psychometrische Untersuchungen an Klarinettenklängen“ berührte alle drei Fachgebiete.

Segeln in der Wetterau

Ende 1978 aber erschien „Wetterau“ bei der Berliner Free Music Production. Es war eine Langspielplatte der mittelhessischen Free-Jazz-Formation „Grumpff“. „Wetterau“ enthielt stilistisch weit auseinander driftende Stücke wie das freigeistige „Segeln in der Wetterau“, den melancholisch-forschen katalanischen Marsch „La Santa Espina“ oder eine Bearbeitung von Wolf Biermanns Lied „So oder so“.

Jost war die zentrale Figur nicht nur bei Grumpff. 1973 erhielt er eine Professur am Musikinstitut der Gießener Universität und wurde Mitbegründer des Studienganges Systematische Musikwissenschaft. Er hatte sich mit einer Arbeit habilitiert, die als die weltweit erste wissenschaftliche Untersuchung zum Free Jazz gilt – jener Musik, die er selbst spielte. Das Buch war also gewissermaßen die Vivisektion einer aktuellen und ziemlich komplexen Musik.

Ekkehard Jost hinterlässt nachhaltige Spuren im deutschen Musikbetrieb, als Autor Epoche machender Untersuchungen, als Publizist und als Musiker. Die Gießener Jazz-Szene gäbe es ohne ihn, wenn überhaupt, dann mit völlig anderer Kontur. Viele Musiker und Musikwissenschaftler haben bei ihm studiert und/oder mit ihm in einer seiner Bands gearbeitet. Wegweisende kompositorische Projekte machten verschiedene Stränge populärer Musik für die jazzmusikalische Auseinandersetzung zugänglich, etwa die „Weimarer Balladen“ Anfang der neunziger Jahre, ein Projekt mit Liedern des Spanischen Bürgerkriegs oder zuletzt die „Lieder gegen den Gleichschritt“.

Ekkehard Josts universitäre Laufbahn endete mit Beginn seines 66. Lebensjahres; seine publizistische und seine musikalische Arbeit blieb dagegen unvermindert umtriebig. Wie jetzt bekannt wurde, ist Ekkehard Jost am 23. März nach längerem Klinikaufenthalt gestorben.

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