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Ihr gelang mit "Tapestry" eine immergrüne Liedersammlung: Carole King.
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Ihr gelang mit "Tapestry" eine immergrüne Liedersammlung: Carole King.

CD

Sie verstehen es, aufs Herz zu zielen

  • VonChristian Seidl
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Drei hinreißende Live-Alben von drei großen Sängerinnen: Melody Gardot, Carole King und Barbra Streisand.

Ein Gefühl geht auf Reisen Im Zeiten unbegrenzter technischer Möglichkeiten ist das Live-Album etwas aus der Mode gekommen. Wo der Shuffle-Mode das Hören bestimmt, braucht es schon besondere Hingabe, sich auf eine musikalische Form einzulassen, bei der nicht das einzelne Stück im Vordergrund steht, sondern die Dramaturgie eines Abends. Die richtige Künstlerin natürlich auch. Melody Gardot zum Beispiel, deren Musik sowieso, erst recht aber auf der Bühne von einer Unmittelbarkeit und Direktheit lebt, die gar nicht mehr vorgesehen ist im Pop von heute, der durchwegs der Rechnerkapazität glamourfreier Produzenten-Nerds geschuldet ist. Von daher ist diese Doppel-CD ein ganz wunderbares Statement. Ursprünglich wollte die derzeit wohl beste Sängerin des Planeten ein Best-of-Album rausbringen, entschied sich dann aber dafür, eine Platte mit Konzertaufnahmen aus den Jahren 2012 bis 2016 zu kuratieren. „Es geht hier nicht um Perfektion oder Ego oder darum, etwas beweisen zu wollen. Es geht nur darum, was live passiert, denn bei Live-Auftritten zählt nur eines: das Herz“, sagt sie. Selbstverständlich auch das des Hörers, das mit diesem Album vom Rasen („Who Will Comfort Me“) übers Brennen („Lisboa“) bis zum Schmelzen („Baby, I’m a Fool“) nahezu alles mitmacht.

Die Rückkehr der Königin Bei den Songs von Carole King ist der Zustand des Herzens weithin: gebrochen. Vor allem, weil sie sie lange für andere schreiben musste: „Take Good Care of My Baby“ etwa für Bobby Vinton, „Will You Still Love Me Tomorrow“ für die Shirelles oder „Porpoise Song“ für die Monkees. In den 60ern, wo Frauen auf der Showbühne zu sein und zu singen hatten, wie alte, weiße Männer es diktierten, war für ein unzeremoniell frisiertes jüdisches Mädchen mit eigenem Willen und eigenen Songs kein Platz. Als sie sich endlich aus ihrem Lohnschreiber-Verließ im Brill Building befreite, um zu machen, was sie immer wollte, rechnete auch sie selber mit eher mildem Erfolg. Doch „Tapestry“, 1971 erschienen, wurde ein Millionenseller mit seiner Mischung aus Hitschmiedekunst und Feingefühl zur Erfindung des weiblichen Singer-Songwriter-Pops. 2016 brachte sie die Platte erstmals in ihrer Gänze auf die Bühne, bei einem Open Air im Hyde Park in London. Ein Dokument, das nun auf CD zu haben ist: King ist in Topform, das Publikum weiß, wann Andacht geboten ist und wann die Freude ausbrechen darf – gemeinsam erwecken sie diese wunderbare, immergrüne Liedersammlung zum Leben.

Irgendwo im Himmel Auch Barbra Streisand, die genauso alt ist und aus der gleichen Ecke in New York stammt wie Carole King, verdankt ihre Metamorphose vom „Funny Girl“ am Broadway zur Drama-Queen des Pop nicht zuletzt deren Wirken. Und natürlich ist Kings „Being At War With Each Other“ einer der Höhepunkte von Streisands neuem Live-Album, das so etwas wir ihr Vermächtnis sein soll, nachdem sie Ende letzten Jahres verkündet hatte, nicht mehr auftreten zu wollen. Leithymne dieses im Dezember 2016 aufgezeichneten Konzerts in der vollgepackten Arena von Miami ist freilich das hinreißende „The Way We Were“, ein Lied, dem es auch nach all den Jahren noch immer nicht gelingt, am Herzen vorbeizuzielen. Die Auswahl der Songs, die sie in Storyteller-Manier mit Schwänken aus ihrem Leben garniert, ist eigenwillig. Hits wie „Evergreen“ oder „Woman In Love“ fehlen. Aber das fällt kein bisschen auf bei ihrem Riesenrepertoire. Und es sind sowieso die eher leisen und zurückhaltend instrumentierten Stücke wie „Losing My Mind“ oder „With One More Look at You“, für die ihre zunehmend brüchige und bassgetönte Stimme gemacht worden ist. Irgendwo im Himmel.

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