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Musik

Verlassene, Verlassende, Verstorbene

  • VonNicklas Baschek
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Und der Schlagzeuger spielt heute nicht mit: Die Folk-Musikerin Emily Jane White im Hafen 2 in Offenbach.

Es sind genau fünfunddreißig Menschen hier, im wunderschönen Hafen 2 in Offenbach, ich zähle Emily Jane White und ihren Schlagzeuger mit. Der spielt heute nicht mit, es bleibt unklar, warum, es ist in jedem Fall ein Verlust. Denn ihr dunkler, ruhiger, gleichförmiger Folk, ihre Abgründigkeit, vertrügen etwas Wucht und Akzentuierung. Das Tempo ist durchweg langsam. White wird sich erst ganz am Schluss sichtbar bewegen, sie spielt den intensivsten, den nachdrücklichsten Song ganz am Schluss. Sie wird sich zu erinnern versuchen, wie die Akkordfolge noch gleich geht.

Die Leute sitzen, eine Frau isst ihren Bulgursalat. Emily Jane White trägt ein schwarzes Kleid, strenger Pony, geflochtener Zopf. In ihren Texten geht es um Verlassene, Verlassende, Verstorbene. Sie wirkt unsicher, sie erzählt, normalerweise spiele sie eigentlich nicht alleine. Und der Kontrast ist tatsächlich schwierig: Draußen sitzen die Leute im Sonnenschein, lachen lauthals, trinken sauer Gespritzten und essen Handkäse. Nachher ist noch Open Air Kino. Auch im Saal, etwas weiter hinten, unterhalten sich zwei Menschen laut. Und die Musik wird so umso deutlicher zur Tapete.

Ein Paar kommt zwischendrin herein, sie stehen am Rand. Die anderen reden noch immer, laut und merklich. Ich schreibe diesen Text in mein Handy, frage mich, ob ich womöglich gnädiger sein sollte und warum ich permanent an die ähnlichen Künstlerinnen denken muss, die derzeit fast einen Mikrotrend abgeben könnten, und die ich viel besser finde: Zum Beispiel Emma Ruth Rundle, die ihre Melancholie immer mal wieder wunderbar an einer Gitarrenwand zerschellen lässt, oder aber, vor allem, Grouper aus Portland.

Grouper heißt mit bürgerlichem Namen Liz Harris. Ihre Musik ist noch etwas leiser als Whites, näher an Ambient und Drone, aber durchaus analog in ihren Einflüssen aus Americana und Country. Aber Grouper zieht hinein. Das auch, weil man sich fragt, was Harris eigentlich genau von einem will. Ich verstehe das nicht. Und will mehr wissen. Grouper bleibt obskur.

Whites Musik, so scheint mir, verstehe ich viel zu gut. Sie nimmt aus der Romantik alleine das Bild des Dunklen. Emily Jane Whites Musik ist, zumindest so, ohne Spitze und Drumbeat, meist bloß ein Stereotyp davon, wie Romantik zu sein hätte. Emaille-Waschwannen-Nostalgie. Irgendetwas ist falsch und der Blick geht ewig zurück.

„I always loved you. That is all I can say.“ Die wichtigste Musikseite der Welt, Pitchfork.com, attestierte White vor Jahren, ihre Musik sei eigentlich untergründig sehr kalifornisch. Diese Leichtigkeit, die dem Dunklen mehr Facetten hinzufügen könnte, fehlt live. Bis zum letzten Song.

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