Daniil Trifonov in der Alten Oper Frankfurt.
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Daniil Trifonov in der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper Frankfurt

Verborgene Werke, versunkene Spielgesten

  • vonBernhard Uske
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Ein bedeckter Abend: Pianist Daniil Trifonov spielt Kompositionen von und über Chopin.

Es ist die konzertante Parallelaktion zum gerade veröffentlichten CD-Album, die Daniil Trifonov durch die Konzertsäle führt. Ein Konzept-Konzert, das Werke von und über Frédéric Chopin enthält. Auf der Doppel-CD heißt das „Chopin Evocations“ – eine Erweckung, eine Heraufrufung also.

Tatsächlich waren einige der zu Gehör gebrachten Werke bis dato eher im Verborgenen, etwa Federico Mompous „Variationen über ein Thema von Chopin“, mit dem der Abend im Großen Saal der Alten Oper begann. Ein Zyklus, den der spanische Komponist im Jahr 1957 abschloss als ein sich fast improvisatorisch auslegendes Gestaltenpanorama um das A-Dur-Prélude. Trifonov führte das mit passender, legerer und nicht zu herausfahrender Geste aus.

Nicht gut tat den folgenden kurzen Chopin-Evokationen von Schumann (aus „Carneval“), Tschaikowsky (aus „18 Morceaux“) und Grieg (aus „Stimmungen“) der pausenlose Vortrag, zu dem auch eine Erweckung des Nocturne-Erfinders John Field von Samuel Barber gehörte. Zu sehr geriet die Differenz der Minaturen im Zeitfluss ins Schwimmen, wenngleich das Schutz vor dem immer stärker werdenden Klatschdrang des Publikums bedeutete. Eine gewisse Blässe der Stücke lag aber auch an der artikulatorischen Einform des 37-Jährigen, der auf markante Setzungen verzichtete.

Einen leichten, aber immer gedeckten, Extraversion meidenden Ton bestimmte Trifonov für das Hauptstück des ersten Konzertteils, Sergej Rachmaninows „Variationen über ein Thema von Chopin op. 22“. Eine Kreation, die das c-Moll-Prélude in 22 Variationen verarbeitet, von denen der Solist aber einige ausfallen ließ. Aus „dramaturgischen Gründen“, wie es im Programmheft sibyllinisch hieß. Erschlossen hat sich dieser Verzicht nicht, während die Ersetzung der abschließenden Coda durch eine Wiederholung des Themas zumindest beifallsverstärkend wirken mochte.

Die Klavierkonzerte auf der „Chopin Evocations“-CD blieben in Frankfurt ungehört; statt dessen wurde die b-Moll-Sonate op. 35 geboten: wieder in einer zwar schön die dichte Lineatur der Sätze druckfrei vermittelnden Weise, aber auch in einer sich bedeckt haltenden Form. Die schuf unter den Händen Trifonovs im berühmten Trauermarsch mit seinem nostalgisch-wehmütigen Mittelteil aber eine bezwingende Atmosphäre, die selbst die Huster ihren Reiz vergessen ließ. Auch in den ruhigen Variationen des Rachmaninow-Werks hatte Trifonov zu solch gänzlich versunkenen Spielgesten schon einmal gefunden. Das Nachdrücklichste des Konzerts.

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