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Alte Oper

Ungebärdigkeit, gelenkt

  • VonBernhard Uske
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Pianist Seong-Jin Cho beim Sinfoniekonzert des HR in Frankfurt.

Im November war Seong-Jin Cho, der südkoreanische Pianist, Einspringer für den erkrankten Lang Lang im Konzert der Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle gewesen. Maurice Ravels G-Dur-Konzert stand damals auf dem Programm. Jetzt, beim HR-Sinfoniekonzert, war der 24-Jährige Solist in Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert und Andrés Orozco-Estrada sein dirigentischer Partner. Cho überraschte mit einem lakonischen, fast mechanisch wirkenden Duktus, der die Töne eher setzte denn aufklingen ließ.

Keine schlechte Entscheidung, wenn gepolsterte oder donnernde Gefälligkeiten die Alternative sind. Etwas mager vielleicht aber vor dem Hintergrund ausartikulierter, phrasierungsaktiver Finessen. Die bot ganz entschieden das HR-Sinfonieorchester, das seinen Tutti-Part gewichtig und in vielgestaltiger Qualität auffasste.

Genau das machte dieses Zusammenspiel von Solo und Tutti interessant: die artikulatorische Energie lag in der sinfonischen Materie und die ziselierte, artistische Beweglichkeit in der Tastatur. Es schien, als wären feine Netze und Muster über die Klanggesten und -sphären des orchestralen Melodieflusses gespannt.

Überragend waren die Eindrücke besonders im zweiten Satz, wo Seong-Jin Chos nüchternes Auf- und Abschreiten seiner intervallischen Wege nicht mehr war als ein körniger Oberflächenreiz für die von den Flöten- und Klarinettensolisten des Orchesters wunderbar realisierten Ausdrücke. Das war die richtige Proportion, um das angebliche Virtuosenkonzert ganz leicht in ein sinfonisches Konzert zu transformieren.

Begonnen hatte das Konzert in der Alten Oper mit „La Bagarre“ – einer knapp zehnminütigen Komposition Bohuslav Martinus, die der Tscheche 1926 in Paris schuf. Konsequenz eines Modernisierungsschubs, der dem damals 35-Jährigen dort zuteil wurde. Eine Art auditive Illustration von Tumult und Getümmel, wie es im Zeitalter des „Ornaments der Masse“ angesagt war. Durchaus lärmig, aber gegenüber Kreationen von Charles Ives oder Edgard Varèse auch etwas harmlos. Als aufgerauter Neo-Klassizismus und gehegter Radau das Bild geführter und gelenkter Ungebärdigkeit.

Zum Schluss gab es Antonín Dvoráks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, wo Orozco-Estrada größten Wert auf die lyrischen, die nostalgischen, sentimentalen Momente legte. Der angeblich böhmische Brahms-Epigone zeigte sich hier mit starken Verbindungen zu Franz Schubert und Gustav Mahler. Die Feinheit des Spiels der HR-Sinfoniker hatte bei diesen Aufdeckungen größten Anteil.

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