Musik

Ein unalerter Schöpfer

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Isabell Faust und Alexander Melnikov spielen Mozart beim Rheingau Musik Festival.

Im Jahr 2016 war sie „Artist in residence“ beim Rheingau Musik Festival, wo sie heuer den Zyklus der Sonaten für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart abschließt: Isabelle Faust. In zwei Konzerten mit ihrem langjährigen Klavier-Partner Alexander Melnikov und dem Nachbau eines Hammerflügels aus der Zeit der Entstehung dieser Werke. Man durfte Rekonstruktionsversuche in Sachen Originaltreue erwarten, zumal der Ort der Aufführungen gut dazu passt: der Fürst-von-Metternich-Saal von Schloss Johannisberg, dessen Ausmaß manchem Aufführungsort der Mozartzeit nahe kommen konnte. Die Verhältnismäßigkeit instrumentaler Mittel war ein wichtiger Posten im Konzept der Darstellung von drei Sonaten und den „Hélas, j’ai perdu mon amant“-Variationen der 300er Serie des Köchelverzeichnisses, der sich noch die Sonate mit der Verzeichnisbezifferung 526 anschloss.

Zehn Jahre liegen zwischen den Kreationen, die der Komponist 1777 als 22-Jähriger verfertigte und der späten Sonate, die virtuoser, extrovertierter und ausgreifender in dynamischer Dimension ist. Wobei die Herangehensweise der beiden Musiker wie ein Egalisator wirkte. Zu der historisierenden Instrumentalität kam ein interpretatorischer Zugriff, der auf Klangrede-Exzentrizität ebenso verzichtete wie auf die Manierlichkeiten vertrauten Virtuosentums. Minimal war der Einsatz von Vibrato, jenem Finger-Tremor auf den Saiten, der als musikantischer Zusatzstoff für die Geschmacksrichtung Beseelung und tiefgefühltes Engagiertsein fungiert.

Klangwürze, die in feiner Dosierung zweifellos ihren Reiz hat. So war es auch jetzt, wo allerdings meist nur die Endmomente von Klanglinien eine zart bebende Ausleitung erfuhren. Viel machte das nicht aus, um den trockenen, den Charakter des Hölzernen, ja Steifen vermittelnden Vortrag zu modulieren.

Zögerlicher Schöpfer

Ein ziemlich unalerter, wenig charmanter, ja regelrecht zögerlicher Schöpfer war so zu erleben. Einer, der nahe dem Habitus eines Couperin oder Rameau zu sein schien. Das bot großartige Beziehungsperspektiven, die sich auch auf die nachmozartliche Entwicklung hin auftaten – etwa zu manchen Intonationen Schuberts. Jedenfalls war der Abstand sowohl zu den Aufwirbelungen der vorgeblich historisch informierten als auch zu den Härten und der Schwere der traditionell sich verstehenden Musizierschulen evident. Angesichts der Makellosigkeit des Spiels auf Schloss Johannisberg mit diesem kleineren, zögerlichen, wenig götterlieblingshaften Mozart konnte man schon ins Grübeln kommen: War das Mozart ohne interpretatorisches Kostüm oder nur eine neue Mode?

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