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Alte Oper

Umwertung der Klangwerte

  • VonBernhard Uske
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Das Rotterdam Philharmonic Orchestra und Jan Lisiecki spannungsvoll in der Alten Oper Frankfurt.

Gastspiel des Rotterdam Philharmonic Orchestra bei Pro Arte in Frankfurts Alter Oper, wo sich das Orchester der Stadt mit dem größten europäischen Hafen mit Leonard Bernsteins „On the Waterfront“-Suite passend vorstellte. Zwar ist Marlon Brando in dem gleichnamigen Film (bei uns als „Die Angst im Nacken“ bekannt) ein gehetzter Protagonist, aber die Gewalt des Gangstermilieus kam durch die Rotterdamer Musiker noch brachialer zu Gehör, als man das von Bernstein selber her kennt. Da rannte jetzt einer in schweren Stiefeln um sein Leben und die Schusswechsel klangen mehr nach Granaten und Sprengbomben.

Jedenfalls wusste das Publikum im Großen Saal recht schnell, dass ein Klangkörper der heftigen, der schlagfertigen und wuchtigen Art den Abend bestreiten würde. Um so überraschender, beim anschließenden e-Moll-Klavierkonzert Frédéric Chopins ein in Biegsamkeit, ruhigstem Fluss und zarten Ausdrucksbewegungen schwelgendes Orchester zu erleben.

Er ist entschieden involviert

Was offensichtlich an Yannick Nézet-Séguin lag, dem Rotterdamer Chefdirigenten seit 2008. Seelenvoll hätte man früher sein Dirigat genannt: nicht sentimental oder exhibitionistisch, aber entschieden involviert und von verhaltener Emphase. So wirkte die meist nur als harmonische Füllung und tektonische Stütze des Solo-Parts verstandene Rolle des Tuttis auf einmal wie eine Herzensangelegenheit des 1830 gerade 20-jährigen Komponisten.

Eine sensible Hinterbühne also für die Turbulenzen an der solistischen Rampe. Da agierte auf atemberaubend virtuose und ständig artikulatorische Differenz suchende Weise Jan Lisiecki, der oft mit hochfahrenden Gestaltungs-Offerten beeindruckte und ein ungebärdiges, wenig salon-romantisches Chopin-Bild zeichnete. Insofern war die Spannung zwischen der Tutti- und Solo-Welt eine grandiose Zusammenschau des Gestaltungspotentials dieses Komponisten.

In der Zugabe, dem c-Moll-Nocturne legte Jan Lisieckis Linke eine solche Sequenzen-Dramatik vor, dass man eine regelrechte Umwertung des chopinschen Klangwerts erlebte.

Zuletzt triumphierten die Rotterdamer Philharmoniker noch einmal: mit Sergej Rachmaninows letztem Werk – den abgründigen „Sinfonischen Tänzen“ op. 45 von 1940. Dank ihres süß-sauren Klangs und manch rhythmischer Friktion bildeten sie mit Leonard Bernsteins „Waterfront“-Manien eine interessante Klammer.

Die Klammer der Klammer war als Zugabe Bernsteins „Candide“-Ouvertüre: schwerlich zu überbietende akustische Pyrotechnik.

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