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Tyler, The Crreator. Foto: Sony Music
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Tyler, The Crreator.

Pop

Tyler, The Creator mit Album „Call Me If You Get Lost“: Experimente mit Pop-Appeal

  • VonStefan Michalzik
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Auf „Call Me If You Get Lost“ von Tyler, The Creator wechseln Stimmen und Stile.

Der aus Los Angeles stammende Rapper und Produzent Tyler, The Creator ist einer der großen Innovatoren im gegenwärtigen Rap – Experimentierlust und Pop-Appeal schließen sich bei ihm nicht aus. Ein Gutteil der 16 Nummern auf „Call Me If You Get Lost“, seinem sechsten Album, sind gerade mal um die zwei Minuten lang; immer wieder kommt es zu abrupten Wechseln der Szenerie. Da sind mal federnde Flows, dann aber auch – selten – finster wabernde Beats. Zieht man zum Vergleich noch einmal „Goblin“ (2011), das Solodebüt aus dem Regal, bietet sich ein ganz anderes Bild. Es ist bestimmt von schleppendem Sound mit dumpfen Bassflächen und Doom-Metal-Atmosphäre mit tiefergelegten Stimmen.

Ein großer Rollenspieler

Es ist die klassische Songstruktur, zu der Tyler, The Creator nun zurückkehrt, sowie zum Rap, nach einer Neigung zum Gesang auf dem Album „Igor“ (2019). Tyler Baudelaire lautet der Name des neuen Charakters, den der große Rollenspieler ersonnen hat; eine hübsche Vignette im Stil vergangener Zeiten zeigt ihn im dandyhaften Outfit mit Gepäck, den angespannten Blick rückwärtsgewandt, wie auf der Flucht vor Verfolgern. Oder der eigenen Vergangenheit.

Das Album:

Tyler, The Creator: Call Me If You Get Lost. Sony Music.

Das Album ist reichhaltig orchestriert, mit Samples aus den klassischen Quellen Soul, Funk und Jazzrock. Eine Art Priminstrument ist die Querflöte, immer wieder taucht sie in geloopten Samples mit Easy-Listening-Flair auf. Lang ist die Gästeliste. Lil Wayne, 42 Dugg, Pharrell Williams, YoungBoy Never Broke Again und viele mehr. Am laufenden Band wechseln Stimmen und Stile – dabei hat das Album über eine knappe Stunde eine stringente Dramaturgie.

Einst, besonders in seinen frühen Tagen mit dem Alternative-Hip-Hop-Kollektiv Odd Future (mit unter anderem Frank Ocean, Earl Sweatshirt und Syd) zelebrierte Tyler Okonma, wie der Musiker eigentlich heißt, den Tabubruch mit misogynen und homophoben Texten. Was auch als Zitat auf den Gangsta-Rap der 90er Jahre zu lesen war. Heute, mit 30, kündet Tyler, der sich vor ein paar Jahren als queer outete, in beinah schon singer/songwriterhaft intimer Weise von Gefühlen. Von den einstigen Rüpeleien distanziert er sich nicht. Von seinen Ausfällen gegen Selena Gomez vor zehn Jahren indes schon.

Eine dicke Lippe riskiert er nach wie vor gern, mit politischen Statements hingegen hält er sich eher zurück. In „Manifesto“ setzt er seine Position auseinander: Der Erwartung, dass er sich als schwarzer Musiker zu Black Lives Matter bekennen müsse, wolle er nicht entsprechen, weil das das Wohlgefallen eines liberalen weißen Publikums finden würde, das ihn zuvor für die Gewaltfantasien in seinen Texten gegeißelt habe.

Der soulig warme Song „Sweet/I Thought You Wanted to Dance“ ist die – gesungene, nicht gerappte – Prince-Ballade dieses Albums. Ein großartiger Lovesong, auf der richtigen Seite der Kitschgrenze. Gleich darauf folgt das flauschig fingerschnippende „Momma Talk“, die nächste Überschreibung seines Stils, hier auf den Stevie Wonder der frühen 70er. So schöpft Tyler, The Creator aus dem Geist von Funk und Soul, den ewigen Referenzgrößen des Genres, eine sehr heutige Musik.

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