"Die Fledermaus" in Darmstadt.

Turbulenzen im Vereinslokal

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"Die Fledermaus" von Johann Strauss in Darmstadt kommt aus Chemnitz. Das ist ein Problem. Denn sowohl die Bilder als auch manche Dialog-Anspielung werden dort mehr Wirkung gehabt haben als nun in Südhessen. Matter Applaus. Von Bernhard Uske

Der Beginn ist eine Bildbetrachtung: während der "Fledermaus"-Ouvertüre wird das "Großstadt-Triptychon" von Otto Dix auf den Bühnenportalschleier projiziert: ein bildlicher Kontrapunkt zur flotten und gepfefferten Musik von Johann Strauss. Das setzt sich fort und greift über auf die gesamte Szenerie im 2.Akt, wo aus dem Ballsaal des dandyhaften Grafen Orlowsky eine heruntergekommene Örtlichkeit im Stile eines spätgründerzeitlichen Tanz- und Vereinslokals geworden ist.

Hier findet sich das Personal der Dix-Bilder als reale Akteure wieder: eine Mischung aus aristokratischen, kleinbürgerlichen, subkulturellen und politischen Milieus am Ende der Zwanziger Jahre. Über dem Ganzen wieder ein Dix-Bild: diesmal ein Ausschnitt der "Sieben Todsünden".

Darmstadt hat mit seiner neuen "Fledermaus" eine Produktion aus Chemnitz übernommen (Regie: Ansgar Weigner), wo Otto Dix dank der bedeutenden Sammlung im Museum Gunzenhauser ein bildlicher Hausgott ist. Sowohl die Bilder als auch manche Dialog-Anspielung (etwa über die Völkerfreundschaft mit der Sowjetunion) werden im Chemnitzer Opernhaus mehr Wirkung gehabt haben als in Darmstadt, wo die Produktion mit mattem Applaus und einigem Missmut aufgenommen wurde.

Kein schwerer Albatros

Zu bemüht die Libretto-Veränderungen sowie der Versuch, Johann Strauss seine Qualitäten auszutreiben. Wer so beflügelte Musik und schäumende Turbulenzen zu entfachen vermag wie Strauss (obwohl der selber ein bescheidenes Leben führte), der möchte ernst genommen werden mit seiner Virtuosität, federleicht Verwirrung von Realitäten zu stiften. Und nicht als schwerer Albatros eines Pseudo-Sozialdramas zum Absturz gebracht werden. "Fad" ist in Wien der Ausdruck für bemühte Erweckungs-Pädagogik.

Kein Pfiff nirgends - das galt nicht für die teilweise raffinierte Lichtregie (Bühne: Dieter Richter) sowie die Personenführung des einen oder anderen Sängers. An erster Stelle ist hier Norbert Schmittberger zu nennen, der das gesamte Ensemble übertraf. Perfekt, wie in der markanten Darstellung und der Wendigkeit, mit der sich die Zustände des mal getäuschten, dann selber die Fäden in der Hand zu halten meinenden Möchtegern-Lebemannes bei immer homogenem und klarem Timbre vermittelten.

Auffallend in ihrer flotten, silberhellen Diktion Margaret Rose Koenn, die das sich durch die soziale Hierarchie hindurchkostümierende Stubenmädchen Adele gab. Gute Eindrücke hinterließen Thomas Mehnert und Lars Møller als Frank und Dr.Falke, ein nicht zu schnapsseliger Gefängniswärter Frosch war Jean-Michel Räber.

Graf Orlowsky war Elisabeth Hornung anvertraut, die stimmlich oft zu schwer und breit wirkte. Die ursprünglich betrogene und dann zur Drahtzieherin der Strauss´schen Enttäuschungs-Täuschungen gewordene Rosalinde war Maria Gessler mit runder, in den Höhen manchmal enger Stimme. Chor und Orchester zeigten sich unter Lukas Beikircher präzise und prägnant.

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