Alte Oper

Trio Das Kapital in Frankfurt: Von Ludwig XIV. zu Hanns Eisler

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Ein anregender Abend mit dem Trio Das Kapital bei der Alte-Oper-Reihe „Jazz im Mozartsaal“.

Frankfurt ist eine Hanns-Eisler-Stadt. Zumindest in jenem Sinn, dass hier Heiner Goebbels und Alfred Harth im Duo wie auch als Mitglieder der Spontikapelle Sogenanntes Linksradikales Blasorchester vor ungefähr vierzig Jahren eine neue Eisler-Rezeption in einem zeitgenössischen Zusammenhang begründet haben. Goebbels hat das später in dem mit dem Ensemble Modern uraufgeführten Musiktheaterstück „Eislermaterial“ fortgeschrieben, auch das Frankfurter Kollektiv textXTND hat sich mit Eisler beschäftigt.

In der von dem Musikjournalisten und langjährigen FR-Redakteur Hans-Jürgen Linke betreuten Reihe „Jazz im Mozartsaal“ in der Alten Oper Frankfurt trat nun das Trio Das Kapital auf. Vor 17 Jahren in Paris gegründet, lässt es – bei aller Eigenständigkeit durchaus vergleichbar mit der Frankfurter „Eisler-Schule“ – vielfach außermusikalische Resonanzen anklingen. Was bereits mit dem Namen beginnt, der an Marx denken lässt, zudem sind der deutsche Tenor- und Sopransaxofonist Daniel Erdmann und der dänische Gitarrist Hasse Poulsen beide aus einer Kapitale nach Paris gezogen; wo der Schlagzeuger Edward Perraud bereits lebte.

Im Zentrum des Repertoires stand also Eisler, mit dem sich die Gruppe schon mehrfach beschäftigt hat. Zunächst aber spielte sie drei Stücke aus dem jüngsten Album „Vive la France!“ Hier schon zeichnete sich das Spiel mit dem ursprünglichen Kontext und der Loslösung davon deutlich ab.

Im „Marche pour la ceremony des Turcs“ von Jean-Baptiste Lully lässt Daniel Erdmann auf dem Sopransaxofon die zeremonielle Klangpracht am Hof von Louis XIV. gegenwärtig werden. In Jacques Brels Chansonklassiker „Ne me quitte pas“ schlägt er auf dem Tenorsaxofon einen lyrisch-warmen Ton mit viel Hauch an, kommentiert von Poulsen auf der elektrischen Mandogitarre. Beim Improvisieren geht es, in einem dehierarchisierten Gruppengefüge, ganz weit hinaus ins Offene. Immer wieder kommt es zu Klangszenen, mit Edward Perraud und seinem feingliedrig perkussiv orientierten Spiel als Zentrum, derweil dieser nach dem nächsten Szenenwechsel schon einen dynamisch federnden Groove vorgibt.

Ausgangspunkt sind meist Lieder abseits der offiziellen DDR, für die Eisler die Nationalhymne komponierte, wie die Ballade nach Brechts „Die Pappel vom Karlsplatz“, die in einen ironisch kommentierten Blues mit dem Klangwerker Poulsen an der elektrifizierten Akustikgitarre getrieben wird. Ironie gibt es momentweise, sie ist kein tragendes Element, auch nicht im Umgang mit dem „Solidaritätslied“, dessen agitatorischer Marschrhythmus durch die improvisatorische Freiheit konterkariert wird. Ein überaus starkes Konzert.

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