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Daniil Trifonov und die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrusa im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Foto:

Rheingau Musik Festival

Trifonov mit den Bambergern: Kintopp & Vaterland

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Daniil Trifonov beschließt seine Auftritte als „Artist of Residence“ des Rheingau-Festivals mit einem Konzert im Wiesbadener Kurhaus.

Der komponierende Virtuose steht in einer herrlichen Tradition, und erst eine viel zu eng gesehene Spezialisierung – hier die Schöpfer, da die ausführenden Organe – ramponierte sein Ansehen. Herrlichkeit und Tradition werden aber noch viel deutlicher, wenn Daniil Trifonov sein technisch anspruchsvoll vertracktes sowie rasantes Konzert für Klavier und Orchester in es-Moll spielt und die opulente, scharf rhythmisierte, dem Kintopp zugeneigte Musik an einen nur ein bisschen weiterentwickelten Rachmaninow denken lässt. Natürlich entsteht eine Intimität dadurch, dass ein Musiker sich genau die Musik schreibt, die er spielen will (und kann), und es ist sympathisch, dass ein 28-Jähriger dabei so entschieden an die klassische Moderne anknüpft.

Die deutsche Erstaufführung des 2014 entstandenen halbstündigen Werkes schloss nun im Wiesbadener Kurhaus Trifonovs Konzertabfolge als „Artist in Residence“ des Rheingau Musik Festivals ab, ein umjubelter Auftritt. Das Klavierkonzert ist ein für das erste Hörerlebnis fast schon zu eingängiges, widerstandslos reizvolles Werk. Denn die sogar zahlreich eingebauten Widerstände dienen bloß der Steigerung der schwelgerischen Passagen, was ausgezeichnet funktioniert. Überhaupt zeigt sich eine beständige Steigerung. Selbstverständlich möchte man das sofort noch einmal hören (TV und Radio haben mitgeschnitten, der Deutschlandfunk nennt noch keinen Termin, Arte sendet am 24. November).

Die engagiert begleitenden, dem Pianisten ein großartig belebtes Umfeld bietenden, aber nicht wirklich als Duettpartner eingeplanten Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrusa spielten nach der Pause Bedrich Smetanas „Ma vlast“, sein Vaterland. Die beiden Stücke passten zusammen, eine weniger süffige Umgebung hätte dem Trifonov-Konzert aber vielleicht gut getan. Andererseits gehört es zum Wesen des Süffigen, dass es kein Genug gibt. Die Bamberger perfektionierten ein diszipliniertes Mitgerissenwerden.

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