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The Tremolo Beer Gut.
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The Tremolo Beer Gut.

Surfmusik

Tremolo Beer Gut „You Can’t Handle“: Brett in der Brandung

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Vibrato, Hall und Gäste machen „You Can’t Handle“ von The Tremolo Beer Gut zu einem Fest.

Vor 60 Jahren hat das schöne Dänemark die Neue Welt erreicht. Es ist Jorgen Ingmann, der die Welle reitet und mit einer Coverversion von „Apache“ auf den zweiten Rang der US-Charts gleitet. Heute möchte dort niemand mehr hin. Vor allem The Tremolo Beer Gut nicht, denen selbst gewählter Standpunkt und heimatliche Erfrischungen heilig sind. Nach mehrjähriger Pause erscheint nun unter dem Titel „You Can’t Handle“ neues Material.

Die Cover-Fotografie, seit der Jahrtausendwende unverändert, wird diesmal in einem ockergrüngrauen Farbton versenkt: Vier Burschen, zwei Krawatten, Hawaiihemd, Sonnenbrille, Zigarette. Klar, dass sich Jengo, Sunding, The Great Nalna und Yebo unter dem Wahlspruch „Tremolo! Bier! Vorwärts!“ formieren. Sie machen Surfmusik – kompromisslos und ohne Beschränkungen, hier sogar mit einer Version von Erik Saties „Gnossienne No. 1“. Heute also 16 Stücke, keines länger als 2 Minuten, 59 Sekunden.

Veteranen, die sie sind, wird ihnen jede Neueinspielung zu einem Fest. Tradition taugt, wenn sie zu dehnen ist. Und ein Meer von Möglichkeiten offeriert. Da sind Effekt, Hall und Vibrato nur der Dielenboden, auf dem Link Wray und Henry Mancini tanzen. Von der Idee des selbstgenügsamen Einzelwerks hat sich die Tremolo-Beer-Brüderschaft jedenfalls längst verabschiedet, aus ihren knapp-üppigen Klangszenen klettert eine Heerschar lichtscheuer Kreaturen.

Das Album:

The Tremolo Beer Gut: You Can’t Handle. Crunchy Frog / Membran.

Wer dem überproduziert-schmeichlerischen Pop-Hochglanz misstraut, sollte Station in diesem Bahnhofskino machen: Blitzschnell wechseln die Kulissen, nehmen Reno-Desperados und Slow-Club-Freudenmädchen umstandslos Kurs zum paradiesischen Planeten „URF!“. Auf den Rumpf des Raumgleiters hat man diesmal ein „Memento Morricone“ gepinselt. Immerhin: Eine Musik, zu der sich eigenwillige Tanzstile problemlos realisieren lassen. Jederzeit.

Zweifelhaftes Liebesduett

Die Gästeliste auf „You Can’t Handle“ ist lang, offenbart ein Nebeneinander von in Ehren zerfurchten Surfrock-Heroen und dänischen Underground-Piraten. Cristina Martinez und Jon Spencer (dessen Heavy-Trash-Veröffentlichungen ebenfalls bei Crunchy Frog Records in Kopenhagen erscheinen) dürfen auf dem famosen „Hey Hallo“ ein zweifelhaftes Liebesduett als Freundschaftsdienst abliefern, während die dunkle Zombierella den „Codename Tremstar“ in dräuendes Zwielicht transformiert. Ur-Mitglied Sune Rose Wagner ist derweil mit seinen Raveonettes ebenso auf Surf-Kaperfahrt wie Chris Barfield oder Flavia Couri.

Und weil das Brummen der Verstärker anschwillt und die Regler in oberster Position festklemmen, schwärmen selbst die salzgewaschensten Wellenreiter von einem „Ultra Cool Rough Twangy“-Universum. Ein Universum, in dem Geplapper nichts mehr gilt. Text, Vers, Moritat? – Ach was. Geheul, Gebell, Gegrummel sind menschliche Äußerungen, die das Notwendige in sich bergen. Der Rest ist Atmosphäre, von dänischen Könnerhänden akkurat hindrapiert.

Wer könnte sich einer Hitsingle namens „Hot! Hot! Heatwave!“ guten Gewissens entziehen, diesem elementaren, aus zerschlissenen Fender-Gitarren katapultierten Schub? Eine seltsame und schöne Scheibe: Stimmungen samt Eingebungen in wilder Abfolge, bevor der „Caipirinha River Cruise“ in einen milden Abspann mündet. Jenseits aller Charts-Ambitionen sind die Beer Tremolos das beste Brett in der Brandung. – Zur begleitenden Lektüre sei Dashiell Hammetts „Rote Ernte“ dann noch dringend empfohlen.

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