Konzert

Tour de Force durch Stil und Zeit

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Jazz-Diva Dianne Reeves souverän in der Alten Oper in Frankfurt.

Dianne Reeves hat abgespeckt. Mächtig sogar. Für ihre letzte Studio-Aufnahme hatte sie gleich zwei Dutzend prominente Musiker eingeladen, in der Alten Oper in Frankfurt steht sie fast allein auf der Bühne. Nur begleitet von einem gut eingespielten Trio, das auf Knopfdruck einen feinen, bluesgetönten Jazz produzieren kann, aber auch lateinamerikanische Rhythmen mit Feuer und Grandezza spielt. Jazzstandards verbinden sich hier mühelos mit Soul und Pop, aber eben auch mit Gospel und Blues.

In ihrem Tourprogramm wirft Dianne Reeves einen Blick zurück auf ein Album, das sie vor über 20 Jahren aufgenommen hat. „Bridges“ erschien 1999 beim Label Blue Note, produziert von ihrem Cousin George Duke, und steht beispielhaft für den Spagat zwischen Jazz und Pop, den die Diva sich gerne erlaubt.

Das Titelstück der Aufnahmen von damals, es stammt aus der Feder von Milton Nascimento, hören wir im Konzert in einer feinen Interpretation mit ihrem brasilianischen Gitarristen Romero Lubambo, der auch „Waters of March“ (Antonio Carlos Jobim) und „Tarde“ (wiederum Nascimento) den nötigen Touch Brazilness verleiht. Ungestümer dann ein Song, der in der Setlist als „Tango“ auftaucht, in der rauen Interpretation des Quartetts aber eine ungestüme Melange aus Fandango und Rumba ist. Eine wilde Tanzorgie, die in jede Latin-Disco passen würde.

Keine Frage, die Sängerin aus Denver ist kein Kind von Traurigkeit, ihre mächtige Stimme übertönt mühelos ihre Begleiter und lässt sich kaum bändigen. Aber sie kann auch sachte, wie im Finale mit einer leisen Ballade des Pianisten McCoy Tyner. Eine Tour de Force durch Stile und Zeiten: „Suzanne“ (auch das vertreten auf der 99er-Aufnahme) erntet lautes Seufzen im Publikum, „All Blues“, ihr Lieblingsstück von Miles Davis, ist zu hören und „Minuano“ von Pat Metheny – alles eingebettet in eine lockere Erzählung. Vom Leben im Tourbus, ihrer Begeisterung für „Game of Thrones“ und der Notwendigkeit, sich gemeinsam zu wehren: „Build bridges, not walls …“

Das begeisterte Publikum erlebt eine Entertainerin mit enormer Bühnenpräsenz, die gut gelaunt Ansage und Moderation in kleine Songs verwandelt und sich auch von der ungewöhnlichen Uhrzeit nicht aus der Fassung bringen lässt. Das wird schon, mit all ihrer Routine und dem Faszinosum ihrer Stimme – und dank bestens eingespielter Begleiter, dem Bassisten Reginald Veal und Terreon Gully am Drumset.

Nein, dies ist kein Clubkonzert, auch mit abgedimmten Lichtern verwandelt sich der Große Saal nicht in einen Club. Der Abend gelingt aber trotzdem, vor allem dank der souverän die Stile kreuzenden Diane Reeves.

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