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Tony Lakatos im Jazzkeller: Altvertraut, unerhört

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Von: Stefan Michalzik

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Im Herbst ist Tony Lakatos nach fast 30 Jahren als herausragender Solist der hr-Bigband in den sogenannten Ruhestand gegangen.
Im Herbst ist Tony Lakatos nach fast 30 Jahren als herausragender Solist der hr-Bigband in den sogenannten Ruhestand gegangen. (Archiv) © Christoph Boeckheler

Die Tony Lakatos Organization brilliert im Frankfurter Jazzkeller.

Im Herbst ist Tony Lakatos nach fast 30 Jahren als herausragender Solist der hr-Bigband in den sogenannten Ruhestand gegangen. Reichhaltig waren seine Aktivitäten mit eigenen Ensembles und in den Bands anderer Musiker wie Jasper van’t Hofs Pili Pili oder Roberto Di Gioias Web Web über seine gesamte Dienstzeit hinweg. Enorm dabei die stilistische Spannweite, bis hin zum New-Orleans-Jazz als festes Mitglied der Red Hot Hottentotts.

Sein neues Trio, mit dem er derzeit seine regelmäßigen Auftritte im Frankfurter Jazzkeller bestreitet, ist brillant besetzt mit markanten Protagonisten aus der französischen Jazzszene – dem Organisten Jean-Yves Jung und Jean-Marc Robin am Schlagzeug. „Groovy Harlem Style“ lautet das Motto: Bezugsrahmen ist die Ära des Hardbops oder auch Souljazz in den fünfziger und frühen sechziger Jahren, für die Namen wie Nat und Cannonball Adderley, Art Blakey und Horace Silver stehen.

Es läuft aber nur bedingt auf das hinaus, was man unter Vintagejazz verstehen mag. Jean-Yves Jungs Instrument bildet den Klang der legendären Hammond-B3-Orgel ziemlich getreu nach. Und der Souljazz als ausgesprochen vitalistische Musik ist ohnedies nicht totzukriegen. Lakatos und seiner The Tony Lakatos Organization gelingt es darüber hinaus jedoch, sie in eine zeitlose Modernität zu bringen.

Die bezwingende Funkyness regt zum Tanzen an, was im ausverkauften tischgruppenbestuhlten Jazzkeller – 2G-Regelung und Plexiglas-Trennwände – nicht möglich ist. Aber Partymucke, die sich ranschmeißt, ist das nicht. Auf dem Programm stehen eigene Stücke Lakatos’ sowie Standards unter anderem von Slide Hampton und Hank Mobley. Eine Musik ohne Umschweife. Da ist Platz für ausgiebiges Solieren, alles in einer formbewussten Art lässig und frisch. Jean-Marc Robin ist ein zupackender Polyrhythmiker, Jean-Yves Jung ein Meister der ausgebufft groovigen Hammond-B3-Vibes. Lakatos’ charakteristischer Ton ist voll, er berührt durch seine Spiritualität und Wärme.

Paul Desmonds „Take Five“, von Dave Brubeck und seinem Quartett zum Bestseller gemacht, gewinnt die Lakatos Organization eine Perspektive der improvisatorischen Rauheit ab, die den altvertrauten Jazzhit aller modernen Jazzhits wie noch nie gehört klingen lässt.

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