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Todd Snider. Foto: Stacie Huckeba
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Todd Snider.

Nashville

Todd Snider: „First Agnostic Church Of Hope And Wonder“ – Funk-Freaks, Rodeo-Cowboys

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Knochentrocken im Groove: Todd Snider mit seiner neu gegründeten „First Agnostic Church Of Hope And Wonder“.

Die Krise kommt nach 18 Veröffentlichungen und einem Vierteljahrhundert. Schwere Zweifel am bisherigen Storyteller- und Songwriter-Dasein führen an einen Wendepunkt, der alles Vergangene von der Tafel wischt. Nein, auf „First Agnostic Church of Hope and Wonder“ offeriert Nashville-Mann Todd Snider keinen „Talking Seattle Grunge Rock Blues“ mehr, keine Solo-Folk-Nummer mit kritischem Unterhaltungswert. Andere Gottheiten haben sich seines Kreativzentrums bemächtigt.

Auf das geschmirgelte Sangesorgan verzichtet der 54-Jährige dabei ebenso wenig wie auf die Akustische und den Mundharmonika-Ton. Fundamental für die Neuheit sind jedoch Perkussion, Bass, Schlagzeug. Mehr als zwei durch jedes Weihwasser gezogene Jünger braucht es zum Auftürmen des agnostischen Sakralwerks nicht. Während die Geisterhände von Mix-König Tchad Blake den Raum atmosphärisch beladen, formt Trommel-Regent Robbie Crowell das stützend-biegsame Gerüst.

Mit dem knochentrockenen Groove von „Turn Me Loose (I’ll Never Be The Same)“ beginnt eine Darbietung, die im Katalog von Hochwürden Snider einmalig ist und dereinst als Meisterwerk geadelt werden wird. Nicht alleine, dass der Titel auf den drohenden Höllenritt der Rodeo-Cowboys verweist – auch das nun in Szene gesetzte Funk-Experiment keilt unberechenbar aus.

Bart und Haar wachsen

Das Album

Tod Snider: First Agnostic Church Of Hope And Wonder. Aimless Records/ Membran.

Lange haben Crowell und Snider an den Stücken geackert, haben Soundschichten gehäuft und abgetragen, nochmals angefangen, nochmals verworfen. Sie jammen sich durch die Tage, rauchen Pot, lassen Bart und Haar wachsen, die Klamotten zum Teufel gehen. Weisheit wächst mit den Zweifeln: „We hope there’s a God. We wonder if there is.“

In der Albummitte finden sich zwei Stücke, die aus dem Rahmen fallen, einfache Folk-Balladen sind. Es sind Nachrufe, Erinnerungen an die Freunde und Wegbegleiter John Prine und Jeff Austin. Über dem Rest aber walten ruhelose Seelen, Religionsstifter der eigenmächtigen Art: Jerry Jeff Walker und Captain Beefheart, Dr. John und Colonel Bruce Hampton. – Dass Agnostic-Prediger Snider das geistliche Amt zudem von Rechts wegen ausüben darf, setzt dem Irrsinn schließlich die Dornenkrone auf: „Trust me, I’m a Reverend.“

Mit welchen Dingen also beschäftigen sich diese Menschen, die in ihrem Gottesdienst auch die große Pazifik-Plastik-Katastrophe oder das Vergeuden von Lebenszeit beklagen? Tamburin und Shaker gehören ebenso in ihre Werkzeugkiste wie Bongo, Piano und Tuba (auch Junk Hat, auch Mongrel Electric Guitar!). Einmal erinnert das Flöten an Eric Burdon and War, immer gegenwärtig ist jedoch der ungeheuerliche George Clinton.

Vier Minuten – das ist für diese Platte eine lange Phase – windet sich der Shuffle von „Stoner Yodel Number One“, ein gespenstisch pulsierender Würdenträger – in dem sich Snider mit gegebenem Witz als fehlgeleiteter Priester selbst entweiht. „All you need is a ten and a fiver? / A car and a key and a sober driver? / Now you’re preaching to the shithouse choir.“

Verflucht lässig, diese Hoffnung und Wunder verheißende Offenbarung. So funky wie die New-Orleans-Heroen The Meters mit ihrem minimalistischen und hühnerdurchgackerten Gumbo.

Snider, Crowell und Blake haben für 2021 etwas Außergewöhnliches geleistet. Nennt sie Freaks. Ein Begriff, der mit einem Male wieder an Würde gewonnen hat, zu einem Wegweiser geworden ist. – „Eternity is an odd concept“, sagt der Prediger aus East Nashville. Und nach einem letzten Schlag auf die Kuhglocke herrscht Frieden in der Gemeinde.

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