Frankfurter Naxoshalle

Theater Willy Praml wird zum Konzertsaal

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Die neue Reihe der „Naxos Hallenkonzerte“ verspricht sprühende Musikerlebnisse ohne elitären Habitus. Zum Auftaktkonzert mit jungen Virtuosen besteht die Industriebasilika den Akustiktest.

Die Frankfurter Naxoshalle, seit bald zwanzig Jahren der Ort des Theaters Willy Praml, nun auch als Konzertsaal: In der neuen Reihe der „Naxos Hallenkonzerte“ sollen „alle Stile ihren Platz haben, die sich in den letzten 2000 Jahren entwickelt haben“, so Praml pointiert in seiner kleinen Eingangsrede. Das Leitungsduo um den klassischen Pianisten Leonhard Dering und Oliver Leicht, der vor allem als Klarinettist und Altsaxofonist der hr-Bigband bekannt ist, stellt ein Programm zwischen Klassik und Jazz, zeitgenössischer und elektronischer Musik in Aussicht.

Den Akustiktest, soviel vornweg, hat die langgestreckte, sich praktisch in ihrem Rohzustand darstellende Industriebasilika glänzend bestanden.

Das Konzert eröffnen die jungen, an den Musikhochschulen in Frankfurt und Stuttgart studierenden Musikerinnen des Malion Quartetts um Sophia Stiehler (erste Violine) Jelena Galic (zweite Violine), Ulla Knuuttila (Bratsche) und Bettina Kessler (Cello) mit dem Streichquartett in F-Dur von Maurice Ravel von 1904. Das Spiel dieses famosen Quartetts wirkt ungemein frisch und sinnlich und zugleich formbewusst ausgereift. Dieses bravouröse Ensemble scheint sich sprichwörtlich blind zu verstehen. Die niedrige Nachhallzeit sorgt für eine glasklare Präsenz jeder einzelnen Stimme.

Entgegen der Konvention der Konzertsäle wird zwischen den Sätzen geklatscht (und den Musikerinnen schien das willkommen zu sein). Das wirkt in einer einnehmenden Art unakademisch. Offenkundig tut sich an diesem Platz die Chance auf, ein in Teilen eher minder auf die klassisch-romantische Musik eingeschworenes Publikum anzuziehen; das bespielte Drittel der Halle ist am Auftaktabend vollständig gefüllt.

Frappierend die Gespanntheit in Antonín Dvoráks zweitem Klavierquintett in Es-Dur mit Leonard Dering, Jahrgang 1991, der aus der einstigen Meisterklasse von Lev Natochenny an der Frankfurter Musikhochschule kommt, sowie mit Stiehler, Knuuttila und Kessler. „Musikantisch“ ist diese Interpretation des von einem für Dvorák charakteristisch in der Volksmusik gründenden melosfreudigen Gestus gekennzeichneten Stücks nur bis zu einem gewissen Maß; eine betont trockene Wucht prägt die schnellen Sätze; wunderbar sanglich präsentiert sich das solistisch geforderte Cello im langsamen zweiten Satz.

In der Mitte dieser Konzertmatinee treibt Oliver Leicht an der elektronisch bearbeiteten Klarinette Motive aus den beiden Stücken von Ravel und Dvorák mit pedalgesteuerten Halleffekten in eine ambienthaft-sphärische Dimension. Diese kontemplative Klangwelt hält glücklicherweise einen angemessenen Abstand zur musikalischen Esoterik.

Als Zugabe schließlich ein Piazzolla mit sämtlichen Musikern – da droht eine kunsthandwerkliche Beliebigkeit, hier indes gelingt das derart sprühend geistreich und differenziert, dass es eine Freude ist. Alles spricht dafür, dass dies eine Reihe mit Zukunft ist.

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