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The Velveteers, vorne Anführerin Demi Demitro. Foto: Ivey Peacock
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The Velveteers, vorne Anführerin Demi Demitro.

Debütalbum

The Velveteers: „Nightmare Daydream“ – Bis die Finger bluten

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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The Velveteers mixen Glamrock und Garage zu einem altklugen Debütalbum.

Uns will sie das hellste Licht sein, für drei Minuten die liebliche Folk-Fee. Süßer also Singstimmchen, Akustikschrammel, des Glöckleins Spiel. „Brightest Light“ ist ein Irrläufer, eine Ausnahme, vielleicht eine Reminiszenz an frühere Tage, verbracht an Waldbächen, im Farnkraut. Der Rest dieses Albums – „Nightmare Daydream“ betitelt – formiert sich zu einem lärmenden Bastard aus Glam- und Heavy- rock, Sleaze und Garage.

Das verantwortliche Trio stammt aus Boulder in Colorado, möchte als „The Velveteers“ angesprochen sein und legt hier die Debütplatte vor. Stilistische Formung und ästhetische Transformation sind wichtigste Eckpfosten eines Modells, in dessen Hubraum widerstrebende Kräfte wirken. Gitarristin Demi Demitro sowie die beiden Schlagzeuger Baby Pottersmith und Jonny Fig wollen vergangene Hardrock-Herrlichkeit nicht missen, gleichzeitig neu und gegenwärtig und unverwechselbar sein.

Ein schwarzer Tagtraum

Black-Keys-Mann Dan Auerbach hat dieser Zwiespalt gut gefallen und umgehend in sein Nashville-Studio geladen. Entsprechend selbstgewiss ist die Geste, mit der die Samtenen ihre jüngsten Auftritte – auf Youtube ist es festgehalten – in Szene setzen. Der nachtmahrschwarze Tagtraum speist sich aus einem Dutzend Songs, flächendeckend getürmt auf Riff und Rhythmus.

Das Album

The Velveteers: Nightmare Daydream. Easy Eye Sound – Concord.

Schon im auftaktenden „Dark Horse“ ist das Geklöppel der oft synchron schuftenden Schlagwerker eine Betondecke, durch die sich Demitros Baritongitarre mitleidlos fräst. Die Anführerin ist Anfang zwanzig und (nein, geschrien wird hier nicht) singt: „I’m a dark horse / I ain’t what I seem.“ Dass Effektgeräte mit Fuzz-Funktion ihre regelmäßigen Einsätze bekommen, ist eh klar. Viel Schwere regiert in Stücken wie „Motel #27“, „Father of Lies“, „Beauty Queens“. Das Werk dreier Verrückter, die jung genug sind, um sich in all diesen abgeschmackten Schlammgruben suhlen zu können.

Federnd verdichtet präsentieren sich die abschließenden Nummern „Devils Radio“ und „Limboland“ – was an Wave, Grunge und Artrock gemahnt, wird unter dem Velveteers-Zugriff zu einem lehmigen Ackerboden, abgeflämmt und sofort durchgepflügt. Da kuscheln sich Wollen und Tun tatsächlich auf eine hautenge Weise beieinander. Ohne den Hauch von Besinnlichkeit.

Statt Schularbeiten

Marc Bolan – so wurde es jedenfalls zu Protokoll gegeben – ist die Lichtgestalt dieser auf 1600 Meter über Normalnull aufgewachsenen US-Band, die sich den Mehrdeutigkeiten der Glam-Branche nicht entziehen möchte und nur zu gerne einen Junkie-Style zur Schau stellt. Durchaus vorstellbar, dass Seelenerforscher im Demitro-Elternhaus fündig werden.

Überall liegen Gitarren – billige, demolierte – herum, der Papa agiert als Elvis-Doppelgänger, die Mama als Musiktheaterregisseurin. Statt den Schularbeiten soll sich die Tochter aber den ramponierten Saiteninstrumenten zugewandt, bis zum Fingerbluten pausenlos geübt haben. Was auf diese Weise vor sieben Jahren seinen Lauf genommen hat, manifestiert sich nun auf einem zuweilen anstrengend-altklugen Erstling.

Dessen Rock-Nummern wurden ohne viel Federlesen in wenigen Aufnahmetakes aufs Band gezimmert – was auf eine Lässigkeit hindeutet, die zukunftsweisend sein könnte. „Two-faced, head case / Blowing my mind.“

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