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The Paper Kites. Foto: Kim Landy
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The Paper Kites.

Australischer Pop

The Paper Kites: „Roses“ – Auf Tränen balancieren

  • VonOlaf Velte
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Zehn Gastsängerinnen, viel Liebestaumel: The Paper Kites aus Australien präsentieren „Roses“.

Ein dunkeler Schacht ist Liebe/ Ein gar zu gefährlicher Bronnen.“ Vor 153 Jahren hat Johannes Brahms dieses Abstiegsszenario seinen Walzerliedern beigegeben, lyrisch hellsichtig, seherisch. Der Meister muss gewusst haben, dass die australische Popgruppe The Paper Kites dereinst ein Zehnerpaketchen namens „Roses“ in die Welt entlassen würde: Gefüllt mit bittersüßen Höhlengleichnissen, so empfindungsvoll, so zart besaitet.

Kein lautes Wort, kein rückgekoppeltes Kreischen erklingt auf diesem Tonträger. Balladen sind es allesamt, langsam und schwelgerisch, von Instrumenten sanft betupft, hinlänglich leise in Szene gesetzt. Da muss die Oma nicht knurren, dem Papa kein Schimpfwort entfahren – generationenweite Beglückung ist dieser Folk-Spielart eingeschrieben. Zweifellos sind die in Melbourne beheimateten Papierdrachen – Freunde seit Schultagen – liebenswert-brave Familienmenschen.

Ganze Bibliotheken tun sich beim Studium der versammelten Songtitel auf. Da wird das ersehnte Herz weggestohlen, auf Tränen balanciert, im Kreuzfeuer gelitten, der Liebe entsagt – um am Ende einsam den Nachhauseweg anzutreten. Natürlich regnet es schön hinein in diese Stücke, denen weder nachtblaue Melancholie noch irrlichterndes Hoffen fehlen. Verantwortlich für Klang und Wort ist Drachenführer Sam Bentley, der seinen Mitstreitern Christina Lacy, Dave Powys, Josh Bentley und Sam Rasmussen jede Aufwallung verboten hat. – Wenn er ans Mikrophon tritt, singt er mit geschlossenen Augen.

Das Album

The Paper Kites: Roses. Nettwerk / ADA – Warner Music.

Seinen Reiz erhält „Roses“ durch die aufgerufene Schar an Gastsängerinnen. Die stimmliche Vielfalt ist das stärkste Argument für etwas, das auch mit dem betrüblichen Begriff „Schmachtfetzen“ zu definieren wäre. Allzu gefälligen Schmelz scheuen die Australier keinesfalls – was zuweilen auch seine eigene Kraft entfalten, den Tag retten kann.

Herzen werden gestohlen

Innerhalb von 44 Minuten geben sich zehn Populärkünstlerinnen dem Liebeswalzertaumel hin, sind – eine Auswahl nur – Lucy Rose und Rosie Carney aus Großbritannien, MARO (Portugal), Amanda Bergman (Schweden) sowie eine australisch-neuseeländische Riege zu vernehmen. Nadia Reid, die in Dunedin geborene Folk-Fee, verschafft dem langsamen „Take Me Home“ ein atmosphärisches Aufblitzen, während Ainslie Wills die „Steal My Heart Away“-Kiste vor dem Abschmieren bewahrt.

Hit der rosenbekränzten Neuheit ist „Climb On Your Tears“, in dem die US-Amerikanerin Aoife O’Donovan – sich auf Joan Baez und Joni Mitchell berufend – ihre Klasse offenbart: Klar wie Kirschwasser. Nicht recht passen will dagegen Julia Stone, die ihren Duettpart im ansonsten zupackenden „Without Your Love“ merkwürdig verpiepst. Denkwürdig auch, dass Ober-Drache Bentley immer forsch drauflos singt, den eingeladenen Damen wenig Sangesraum lässt. Was hätte das schwesterliche Team alles vollbringen können!

Warum aber meckern? An geschmackvoller Romantik ist diese herzwehe Platte jedenfalls nicht zu überbieten. Und wenn der letzte Ton verweht ist, geistert eine Benn’sche Strophe durch die Welt: „Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden, / woher das Sanfte und das Gute kommt, / weiß es auch heute nicht und muss nun gehn.“

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