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The Ohohohs mit „Pandemia“ in Frankfurt: Immer wieder Turbo

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Von: Stefan Michalzik

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The Ohohohs
The Ohohohs © Kontrast Fotodesign GbR. Wittels

The Ohohohs in der Katharinenkirche: Zu viel zusammengemanscht, zu wenig damit gemacht.

Prekär die Situation in vielen Bereichen der Kultur bekanntermaßen nach wie vor – volles Haus jedoch an diesem Abend in der Katharinenkirche, wo The Ohohohs ihr Stück „Pandemia – Eine musikalische Vanitas“ aufgeführt haben. Das Frankfurter Duo um den Pianisten Florian Wäldele und den Schlagzeuger Florian Dreßler ist dafür bekannt, dass es bei ihm um die achtenswerte Disziplin des musikalischen Knallbonbons geht, auf einer grenzvergessenen clubmusikalischen Popgrundlage, angelegt auf eine spritzige Unterhaltsamkeit.

Dramaturgisch strukturiert ist das Stück als eine Revue entlang der acht Stadien emotionaler Zustände – Ungewissheit, Gewissheit, Aggression, Verhandlung, Depression, Annahme, Aktivität, Solidarität -, die wir dem Befund der Kulturwissenschaftlerin Erika Schuchardt zufolge bei der Bewältigung einer Krise durchlaufen. Gregor Praml reißt als Faktenerzähler die Schicksale von Komponisten und Musikern an, die von Seuchen betroffen gewesen sind an, von Mozart, der die seinerzeit Blattern genannten Pocken überlebt hat über den 1918 mit 21 Jahren an der Spanischen Grippe verstorbenen portugiesischen musikalischen Impressionisten António Fragoso bis zu dem 1991 an den Folgen einer HIV-Infektion verstorbenen Freddie Mercury von Queen.

Zu Phase Eins – Unsicherheit – stimmt die Sopranistin Maja Bader das Salve Regina von dem frühbarocken Italiener Alessandro Grandi über minimalistischen Patterns – eines der Grundelemente der Musik von The Ohohohs, mit Brückenschlag zu Techno – von den Streichern des OMNI-Orchesters an. Das „Rondoh“ – Phase Gewissheit – wartet mit dem charakteristisch überdrehten Sound des Duos und einer Bearbeitung des tänzerischen Elements in Mozarts 25. Sinfonie in g-Moll auf. Über neben anderen Verdi (Dies Irae aus dem Requiem) und Schubert (Der Tod und das Mädchen) gelangt die Revue schließlich bei der finalen ,,Corona-Sinfonie“ von Florian Wäldele an, in der unter anderem ein bratzender Synthesizer mit Kirmestechnogeballer einen Aufbruch nach durchstandener Krise andeutet.

Eine gelenkige Musik ist das, eminent spielerisch in den besten Momenten der Umgang mit den Stilen. Allerdings gilt das ewige Prinzip: Immer wieder Turbo, immer wieder die Rückkehr zum Patentsound von The Ohohohs. Queen haben in ihrer Phase um „A Night at the Opera“ (1975) ein herrliches Spiel mit dem Kitsch betrieben. Nicht die Spur von der in das Original eingeschriebenen Extravaganz im sopranistischen Schönklang von Maja Bader im Song „You Take My Breath Away“ (1976).

Gegen Ende des inklusive Zugaben ungefähr eineinviertelstündigen Abends lässt Florian Wäldele auf dem Klavier eine Richard-Clayderman-Harmonik anklingen. Das gehört in die Kategorie der Dinge, mit denen sich vortrefflich spielen ließe, doch an manchem Punkt geht The Ohohohs unguterweise der musikalische Eigensinn aus.

Nur zu pauschal gehandhabt über weite Strecken der Umgang mit dem Orchester. Der Gesamteindruck: Zu viel zusammengemanscht, zu wenig damit gemacht.

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