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Die zwei von The Joy Formidable.
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Die zwei von The Joy Formidable.

Album von The Joy Formidable

The Joy Formidable: „Into the Blue“ – Des Großvaters Glockenspiel

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Sinnsuche am River Sevier: „Into the Blue“ ist das fünfte Album von The Joy Formidable.

Das Widerstrebende wollen The Joy Formidable in ihren Musikstücken zusammenzwingen. Pop-Wohlklang soll gegenwärtig sein, auch die wandhoch getürmte Gitarrenmauer, das Effektbejahende des Artrock. Längst den Elternhäusern entwachsen plündern sie noch immer die Plattensammlungen der Altvorderen. Ihr fünftes Studioalbum ist nun erschienen und nennt sich umstandslos „Into the Blue“.

Satte 50 Minuten benötigt das Trio, um sphärische, sich ins Kolossale wälzende Visionen auf die Bretter zu hebeln. Während die erste Hälfe des in Eigenregie produzierten Tonträgers durch kraftvolle Turbulenzen stromert, verebbt der Rest auf ambitionierte Weise. Nach anderthalb Jahrzehnten in der Rock’n’Roll-Manege ist das jetzige Arbeitspapier mit „Sinnsuche“ überschrieben, werden „love and magic, a new journey“ herbeigesehnt.

Aufgebrochen sind Rhiannon „Ritzy“ Bryan und Rhydian Dafydd Davies im walisischen Städtchen Mold, wo der liebliche River Alyn seine sanften Wasser entlangschiebt. Dem New-Wave-Gespann Sidecar Kisses bleibt das Paar nicht lange treu, verabschiedet sich nach London, nach Manchester. Gründet The Joy Formidable im Jahr 2007, veröffentlicht eine Handvoll Singles – von denen die Weihnachtsgabe „My Beerdrunk Soul Is Sadder Than a Hundred Dead Christmas Trees“ hier gerne erwähnt werden soll.

Heute unterstützt Schlagzeuger Matthew James Thomas die singende Gitarristin nebst befreundetem Bassisten nach Kräften. Besonders auf den neuen Brechern „Chimes“ und „Sevier“ ist der Mann gefordert. Es sind diese beiden Songs, die ahnen lassen, was möglich gewesen wäre: ohne den Drang zur Überdehnung, ohne unnötige Ziselierung. Dass die Erinnerung an des Großvaters Glockenspiel in einen Gitarren-Hurrikan mündet, ist ebenso famos gedacht wie die Kaskaden-Aneignung des Sevier River.

Das Album

The Joy Formidable: Into the Blue. Hassle Records/ Cargo.

In dessen Nachbarschaft wurde „Into the Blue“ gedankenschwer in Szene gesetzt. 385 Meilen lang reißt sich der Strom durch Utah in den Vereinigten Staaten, durch Berge, Schluchten, Wüsteneien. Bryan, Dafydd und Thomas haben sich in die Einöde zurückgezogen, lassen Naturbilder wirken.

Ein verwehtes Ich

Die Texte sprechen zuweilen davon, senden das verwehte Ich ins Bergende, Zerstörende der Landschaft, spielen mit den Möglichkeiten einer mystischen Verwandlung. „Move in time together / across the ways / now I’m ready to wander / that way.“

In den besten Momenten kreuzen The Joy Formidable ihren eigenwilligen Punkrock-Karacho mit melodischem Slacker-Lodern. Für die unverzichtbare Prise Zucker sorgt ohnehin Ritzy Bryan – mit einer Stimme, deren Schmelz in wirksamem Kontrast zum dynamisch-aufgebäumten Bratzertum steht. Die Direktheit von „Farrago“ ist jedenfalls der Pfad, den sich das Trio jenseits von Mischmasch und Füllsel ebnet.

Fünf Longplayer haben die Waliser seit 2011 in die Welt entlassen, sind mit allerhand Namhaften auf die Bühne geklettert, haben rücksichtslos getourt. Sie können Eindruck machen, Druck. Hat ihnen der Wechsel vom Alyn in Flintshire zum Sevier in Utah gutgetan? Brauchen sie das Widerstrebende, das in die Form gezwungen werden muss? Wollen sie ins Stadion, wo die Dollarbündel aus dem Himmelsdach fallen? – Nun denn. Wie alle Glücksritter auf dem weiten Erdenrund sind auch diese Freudenfänger ihrem Schicksalsgott ausgeliefert. „I’m on the run / yeah I gotta feed my dog.“

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