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The Jeremy Days: „Beauty In Broken“ – 27 Jahre später

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Von: Christina Mohr

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Wieder da: The Jeremy Days. Foto: Dirk Darmstaedter + Louis C. Oberlander
Wieder da: The Jeremy Days. © Dirk Darmstaedter + Louis C. Oberlander

Auf „Beauty In Broken“ lässt die wiedervereinigte Band The Jeremy Days ein Stückchen alte, neue Lust am Spielen hören.

Eins der letzten Konzerte, das die Rezensentin besuchte, bevor Covid-19 die Weltbühne betrat, war der Comeback-Auftritt von The Jeremy Days im Frankfurter Club Zoom, Ende November 2019. Das enthusiastische, mittelalte Publikum sah eine mindestens ebenso enthusiastische, mittelalte Band, die offensichtlich total Bock darauf hatte, endlich ihre alten Songs wieder live zu spielen – womit trotz sporadischer Charity-Auftritte nicht wirklich zu rechnen war.

Kurz, intensiv, zermürbend

Denn die Hamburger Band um Sänger und Songschreiber Dirk Darmstädter, die in den späten achtziger Jahren wie die Rainbirds für einen unpeinlichen Pop-Approach aus Deutschland standen, hatte sich Mitte der Neunziger aufgelöst, die Musiker brachen den Kontakt untereinander weitgehend ab. Die kurze gemeinsame Zeit, in der fünf Alben mit Hits wie „Brand New Toy“, „Rome Wasn’t Built In A Day“ oder „Give It A Name“ entstanden, eine Tour durchs Pop-Mutterland Großbritannien absolviert und mit namhaften Produzenten zusammengearbeitet wurde, war so intensiv wie zermürbend.

Andere Aufgaben mussten her: Darmstädter gründete das Label Tapete und nahm Soloalben auf, Gitarrist Jörn Heilbut übernahm das Hamburger Hafenklang-Studio, produzierte u.a. Annett Louisan und BAP. Keyboarder Louis C. Oberländer ging in die USA, um sein Glück als Schauspieler und Fotograf zu versuchen, Schlagzeuger Stefan Rager arbeitete mit Theaterregisseur Robert Wilson zusammen. Anfang 2019 fand man sich – ohne Gründungsmitglied Christoph Kaiser – für ein Reunion-Konzert in Hamburg zusammen, das so frenetisch gefeiert wurde, dass weitere Auftritte die logische Folge waren.

Das Album

The Jeremy Days: Beauty In Broken. Circushead Records / Cargo.

Dass jetzt, 27 Jahre nach der letzten JD-Platte „Punk By Numbers“ mit „Beauty In Broken“ ein Album mit neuen Songs erscheint, ist dennoch eine Überraschung, hätte es sich die Band doch leicht machen und fortan auf Greatest-Hits-Touren gehen können.

Der Hit und der Dämpfer

Der überschwängliche Titeltrack und Opener des Albums hält auch tatsächlich das Versprechen von der alten, neuen Lust am Spielen: Die Gitarren klingen so jangly-indiepoppig wie in den seligen achtziger Jahren, das Schlagzeug treibt energetisch nach vorne, Darmstädters Stimme wirkt kaum gealtert – ein klarer Hit.

Doch schon mit Stück Nummer zwei erfährt die Euphorie einen Dämpfer; zu brav gerät die solide Powerballade „For The Lovers“, trotz Zeilen wie „you could always tell / what shit went down“. Auch andere getragene Songs wie „Stupid November“, „Lights Out“ und „Postcards“ bauen zu sehr auf die Momente, wenn das Publikum ergriffen die Feuerzeuge beziehungsweise heutzutage die Smartphones zückt. Emotionalität auf Knopfdruck, Pophymnen vom Reißbrett erfahrener Musiker, die wissen, wie es geht.

Interessanter sind Uptempo-Stücke wie „The Deep Dark Night“ und „Lassos Of Love“, die den universalen, ungebügelten Pop-Ansatz der frühen Jeremy Days ins Heute überführen.

Unterm Strich bleibt ein zweifelsohne gut gemachtes, perfekt produziertes Album, aus dem jedoch kaum ein prägnantes Stück hervortritt. Aber Sorgen muss man sich nicht machen, das Comeback der Jeremy Days läuft bestens: „Beauty In Broken“ stieg prompt in die deutschen Album-Verkaufscharts ein.

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