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The Hollies in Frankfurt: Und sie werden wiederkommen!

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Von: Volker Schmidt

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Die Zeit kreischender Mädels ist vorbei: The Hollies in Frankfurt

Jedes Jahr auf Tour. Seit 60 Jahren. Wo The Hollies in Frankfurt überall gespielt haben, weiß Schlagzeuger Bobby Elliott schon gar nicht mehr, aber an die Jahrhunderthalle erinnert er sich gut, im April 1979 seien sie da gewesen. Neben Elliott ist Gitarrist und Sänger Tony Hicks noch aus den Tagen dabei, als die Band 1963 ihren Plattenvertrag beim Beatles-Label Parlophone unterschrieb.

Eine nicht mal zur Hälfte gefüllte Halle in Schwung zu bringen ist schwer, zumal viele Zuhörerinnen und Zuhörer schon 1979 dabei gewesen sein könnten – und das keineswegs als Teenager. Die Zeit kreischender Mädels und sportlich abhottender Jungs ist für The Hollies lang vorbei. Aber ein bisschen zahmer als die Zeitgenossen The Beatles und The Rolling Stones kamen sie ohnehin immer schon rüber. Sowohl ihre ersten als auch ihre größten Erfolge hatten die Hollies mit Songs, die andere schrieben. „I Can’t Let Go“, „Sorry Suzanne“, „Gasoline Alley Bred“ und „Magic Woman Touch“ mischen sich in der Anfangsphase des Konzerts unter die Hollies-Kompositionen „King Midas In Reverse“ und „On A Carousel“.

Mitgründer Graham Nash verließ die Hollies Ende der 60er, um sich mit Stephen Stills und David Crosby zusammenzutun. Seither standen mehrere Leadsänger am Mikrofon; seit 2004 ist es Peter Howarth. Er sagt einen „neuen, gerade mal 17 Jahre alten Song“ an, „Weakness“ vom Album „Staying Power“, das die Hollies nach 23 Jahren ohne neues Material veröffentlichten. Dann folgt – von Howarth auf der Akustikgitarre begleitet – ein noch jüngeres Werk: „Priceless“, von Drummer Elliott vor einigen Jahren verfasst. Höflicher Applaus: Man ist da, um die Songs aus den 60ern und 70ern zu hören, nicht das vermeintlich Beste von heute. Man will zurück in eine Zeit, in der die von The Hollies besungenen Frauen „Jennifer Eccles“ hießen oder „Carrie Anne“.

Der Satzgesang, bei den Everly Brothers abgeschaut, sitzt; Tony Hicks und Zweitgitarrist Steve Lauri spielen unspektakuläre Soli; Drummer Elliott – seinerzeit einer der einflussreichsten seiner Zunft – arbeitet solide im Maschinenraum. Am Bass steht Ray Stiles. Nicht gebraucht hätte es viele der süßlichen Synthesizer, mit denen Keyboarder Ian Parker manchen Song verklebt. Auch nicht gebraucht hätte es die Pause mittendrin, aber wie sagt ein etwa 70-jähriger Herr in der nächsten Reihe: „Sie sind halt nicht mehr die Jüngsten.“ Elliot ist 80, Hicks 76.

„Stay“, „Bus Stop“, das Springsteen-Cover „4th of July, Asbury Park“, das hier „Sandy“ heißt, das dezent experimentierfreudige „The Baby“, „Here I Go Again“ und „I‚m Alive“: Die Liste der Hits ist lang. Die Hollies spielen sie ohne viel Federlesens hintereinander weg, zu ein paar blinkenden Lichtern und Videos von Sonne, Mond und Erde auf einem mittelgroßen Bildschirm im Hintergrund. Das Finale bilden „Stop! Stop! Stop!“ und „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“, das Harmonika-Intro spielt Howarth. „The Air That I Breathe“ und der fast schon Rolling-Stones-mäßige Rock’n‚Roll-Song „Long Cool Woman in a Black Dress“ bilden die Zugaben. Zum Abschied rufen sie: „Bis nächstes Jahr!“

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