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Vermutlich tun sie doch nur so, als würden sie schlafen: The Hold Steady.
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Vermutlich tun sie doch nur so, als würden sie schlafen: The Hold Steady.

The Hold Steady „Open Door Policy“

Zurück in Independence, Missouri

  • vonOlaf Velte
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Opulenz mit Sprechgesang: The Hold Steady haben ihr achtes, gewieftes Album veröffentlicht.

Irgendwann haben sie den Konzertfilm „The Last Waltz“ gesehen und sind vor Sehnsucht vergangen. Anheim gefallen der klassischen Rock-Auffangstation, wurde das seit 2003 praktizierte Sound-Modell schließlich mit einem Musikclub-Stern in Minneapolis eingesegnet. Heute liegt mit „Open Door Policy“ das achte Album der Brooklyn-Band The Hold Steady auf der Theke.

Überwindungsstrategisch ist das Sextett nun auf der Höhe seines Schaffens, an cleverem Lieder-Bauen dürfte sie derzeit genreweit niemand übertreffen. Ober-Steady Craig Finn, ein 1971 geborener Ex-Finanzjongleur und sendungsbewusster Katholik, hat vorzeiten Gesangsstunden erhalten – was jedoch keine nennenswerten Schäden hinterlassen hat. Weiterhin pflegt der stimmliche Raubauz eine verschmirgelte Sprechperformance.

The Hold Steady mit gehörigem Wumms

Ins Clubhouse Recording Studio von Rhinebeck wurden die Hornisten Stuart Bogie und Jordan McLean sowie die New Yorker Sängerinnen Annie Nero und Cassandra Jenkins mitgenommen. Eine gute Wahl. Gemeinsam mit Keyboarder Franz Nicolay bilden Gebläse und Begleitgesang eine dynamische Konstante, die den gefühlsgetriebenen Rock-Karren druckvoll anschiebt. Nur konsequent, dass hier ein Soundwall-Experte wie Josh Kaufman die Regler bewegt, der Produktion den gültigen Wumms schenkt.

Das Album

The Hold Steady: Open Door Policy. Positive Jams – Thirty Tigers/ Membran.

Schon die erste Nummer „The Feelers“ ist Blaupause für die gesamte Unternehmung. Nach anderthalb Minuten hat der Song bereits drei Breaks mitgemacht, um sich fortan ins elegische Nirwana abzustoßen. Während die Band aufopferungsvoll in den Sielen des Rockhandwerks schuftet, erzählt Craig Finn voller Seelenruhe seine Geschichte vom inhaltsleeren Dasein. Trotz aller klanglichen Opulenz – und dies ist zu betonen – wird das Album vernehmlich von der textlichen Präsentation geprägt. Nicht ohne Hintersinn hat man den im Rap-Milieu geschulten Finn „a hell of a lyricist“ genannt.

Wer die zehn Lyrikblöcke der versammelten Songs vor sich hat, mag ehrfurchtsvoll die Stirn runzeln. – Muss dies alles untergebracht und intoniert werden? Diese Erzählungen vom privaten, provinziellen Leben? Jedenfalls kein weiter Weg von „So much power and grace“ bis zu „I no longer see the romance in these ghosts“ – wie es in dem gutgelaunt-überschwänglichen „Unpleasant Breakfast“ heißt.

Während „Spices“ die dunkel-monotone Wave-Reminiszenz und damit eine Ausnahme auf der Platte ist, fluten die direkt anschließenden „Lanyards“ und „Family Farm“ das Terrain mit rhythmischen Finessen, dem großen Rock ’n‘ Roll-Geschirr. Hier – wie auch beim finalen „Hanover Camera“ – ist eine Nähe zu Altmeister Springsteen kaum zu leugnen. Dankenswerterweise rückt seine zweitbeste Scheibe „The Wild, the Innocent & the E-Street Shuffle“ von 1973 wieder vors Gehör, jene zutiefst zärtliche, kirmesselige Frühphase. Finns Anspielung auf „4th of July“ ist wohlbedacht, sein Resümee von Melancholie durchwebt: „I saw a few stars but I never made it into a movie / still trying to make moves but I’m back in Independence, Missouri.“

Gewieft, aber nicht durchtrieben: The Hold Steady

The Hold Steady – sechs jenseits von Glamour und Selbstoptimierung wandelnde Burschen – sind gewieft, aber nicht durchtrieben. Leider auch tauglich zum Stadionrock-Ungeheuer. In „Me & Magdalena“ mit seinem Bigband-Gestus versteckt sich indes eine Unverwüstlichkeit namens Southside Johnny & The Asbury Jukes. Nimmermüde Recken, erfolglos, edle Vorbilder. Immerhin: Der letzte Walzer ist noch nicht getanzt.

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