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Tatsächlich im Weltall? The Avalanches.
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Tatsächlich im Weltall? The Avalanches.

Album

Eine Reise durch das Universum

  • vonStefan Michalzik
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Die Sample-Experten The Avalanches und ihr Album „We Will Always Love You“.

Ausschließlich Samples – um die 3500 sollen es gewesen sein – von Vinylplatten: So lautete das Gebot von The Avalanches für „Since I Left You“, ihr Debütalbum, das sie im Jahr 2000 veröffentlichten. Das Produzententrio aus dem australischen Melbourne war die Popsensation der Stunde, das Album wurde in den britischen Top Ten notiert, es hagelte Preise, unter anderem für das Video des Jahres. Danach sind The Avalanches erst einmal von der Bildfläche verschwunden – und nach 16 Jahren Arbeit wieder aufgetaucht: Auf „Wildflower“ (2016) verwendeten sie über Samples hinaus erstmals neu eingespielte Instrumente und Gesangsstimmen und brachen damit ihr Konzept auf. Ein Wurf auch das wieder.

Eine Riesen-Liste von Gästen

Das gilt nicht minder für „We Will Always Love You“, ihr drittes Album. Diesmal hat sich das verbliebene Duo Robbi Chater und Tony Di Blasi eine schier unglaubliche Liste von Gästen per Fernkontakt ans Mikrofon geholt. Johnny Marr von The Smiths und Perry Farrell von Jane’s Addiction, Mick Jones von The Clash, Karen O von den Yeah Yeah Yeahs sowie Tricky aus der Vergangenheit – in einer Durchmischung mit Heutigen wie Kurt Vile, Sampa The Great und Blood Orange, um nur einige der zwanzig stildiversen Größen zu nennen. Da kommt es zu Begegnungen wie jener zwischen Neneh Cherry und Jamie XX, die Duette zu nennen unangemessen wäre. Beider Stimmen sind in dem afrikanisch fermentierten „Where Ever You Go“ in einer Art in die musikalische Textur eingearbeitet, die dem Umgang mit Samples nahekommt.

Das grundlegende Prinzip heißt weiterhin Collage, oder, mit einem Wort von John Oswald, „Plunderphonics“: So hatte der kanadische Improvisationsmusiker 1985 einen Essay über das Komponieren mit bereits vorhandenen Aufnahmen überschrieben. Weiterhin ist es vorwiegend der pophistorische Fundus der schwarzen Musik, aus dem The Avalanches schöpfen. Soul und Discofunk, Housebeats und Rap, darüber hinaus immer wieder auch Anklänge an den TripHop. Mal ist eine Nummer von Electronica-Sounds geprägt, dann wieder taucht in einer untergründigen Schicht ein Gospelchor auf, eine andere ist mit einer Klavierlinie durchwirkt.

Über die Brüche in Stil und Stimmung hinweg stellt sich der Eindruck eines durchgehenden Stroms ein. Sich treiben lassen von der Dunkelheit zum Licht, so beschreibt Tony Di Blasi die „innere Reise“, die zugleich einen Trip durch das Universum darstellen soll. In der Tat strahlt das Gesamtwerk ungeachtet des Balladen-Anteils eine unaufdringliche Lebensbejahung aus. Gut siebzig Minuten – in der Vinylversion ist das ein Doppelalbum. Kein Grund zum Überdruss. In welcher Zeit wir uns da bewegen? Über den Zeiten. Eine Ballade wie der Titelsong steht neben einem Discofunk-Stomper wie „Music Makes Me High“. Immer wieder werden einzelne Textzeilen schier endlos wiederholt.

Bei der Frau, die auf der Hülle abgebildet ist, handelt es sich im Übrigen um die Schriftstellerin Ann Druyan. Hinter dem Konzept des Albums steckt die Liebesgeschichte um sie und den Astrophysiker Carl Sagan, die – so wird es zumindest im Zusammenhang mit „We Will Always Love You“ kolportiert – im Zuge des „Voyager Interstellar Message Projects“ 1977 in den Weltraum geschickt worden sein soll, um Außerirdischen zu offenbaren, was Liebe ist. Schöne Geschichte, verifizieren lässt sich das aber nicht.

The Avalanches: We Will Always Love You. EMI/Universal.

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