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Jacques Palminger in Frankfurt

Texte, die kein Ziel brauchen

Hinterhältiger Humor und fadenscheinige Grandezza: Der elegante Jacques Palminger und sein Trio mit „Jzz & Lyrk“ im Literaturhaus Frankfurt.

Von Stefan Michalzik

Der Jazz kommt nicht gut weg. Aufregend ist es, wenn ein Jazzkonzert beginnt, heißt es in einem Text, noch aufregender aber, wenn es aufhört. Weil einem das Gedaddel auf die Nerven geht. „Jzz & Lyrk“ heißt das Programm von Jacques Palminger und dem 440 Hz Trio, 2012 ist das Debütalbum erschienen, und aus dessen Repertoire speiste sich ein Gutteil der Songs beim Konzert am Rande des Veranstalterkongresses „Literatur 2020“ im Frankfurter Literaturhaus. Hier hatte die Angelegenheit vor vier Jahren ihren Ausgang genommen.

Mit dem akademischen Kunstanspruch des Jazz hat die Musik tatsächlich nichts zu tun. Die großartigen Musiker spielen mal verhangen schleppende, dann wieder beschwingt leichte Nummern mit unterschwelliger Funkyness und Anleihen beim Easy Listening der sechziger Jahre samt viel Baba Baba Baababa: Richard von der Schulenburg (ehemals Mitglied der Band Die Sterne) am Fender Rhodes Piano, Schlagzeuger Olve Strelow und John Raphael Burgess am Bass, dazu als Gäste die Sängerin Lydia Schmidt und der Vibraphonist Jan Heinemann.

Palminger, der hagere Mann mit dem Schnauzbart, verströmt eine fadenscheinige Grandezza, sein Gesicht ist durchweg knarz-ernst. Seine Texte sind mit dem Jazz verwandt, zumindest wenn man einen improvisatorischen Charakter als hinreichenden Beleg dafür nehmen will. ,,Jeder Ton ist Poesie und jedes Wort ist Jazz“, heißt es an einer Stelle.

Psychedelische Sprachfreude

Der fünfzigjährige Hamburg hat als Schlagzeuger in Punkbands angefangen, Ende der neunziger Jahre ist er zusammen mit Rocko Schamoni und Heinz Strunk als Studio Braun bekannt geworden. Er hat sich einmal zu „einer psychedelischen Freude an der Sprache“ bekannt – treffender dürften sind seine Arbeiten kaum zu charakterisieren sein.

Ein Ziel kennen die Texte nicht. Die Grundstimmung ist eine Tristesse, im Zusammenhang mit dem nachdrücklichen Sprechgesang ergibt sich eine schleppende Spannung. Es geht um Gefühle und Stimmungen, weniger um Narration. Palminger arbeitet Morris Alberts auf die siebziger Jahre zurückgehende Schnulze „Feelings“ bis zu einer kaum mehr noch als zitathaft anmutenden Kenntlichkeit um. Er travestiert die großen Entertainergesten im Las-Vegas-Stil, und er paraphrasiert mit Charles Trenet das französische Chanson als Archetyp.

„Der Tag ist wie wir: Noch nicht ganz am Ende“ – eine dezente sprachliche Eleganz ist das Kennzeichen des hinterhältigen Humors. Auf die krachige Pointe ist er nicht angelegt, er scheint vielmehr zu implodieren.

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