Anne-Sophie Mutter in Frankfurt

Teuflisch entspannt

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Anne-Sophie Mutter spielt in der Alten Oper Frankfurt das Violinkonzert von Jean Sibelius. Als wär's nichts weiter.

Jean Sibelius’ einziges Violinkonzert ist ein ausgesprochenes Virtuosenstück. Das Orchester kommt zunächst einmal überhaupt nicht zum Zug, die Geige darf diabolisch und wie drauf los spielen, wobei das, was wie improvisiert wirkt, Folge einer gnadenlosen Tüftelei ist. Offenbar muss man sich Sibelius selbst an dieser Stelle als inspirierten, experimentierfreudigen Teufelsgeiger vorstellen.

Das Aufschneiderische daran erledigte Anne-Sophie Mutter aber praktisch nebenbei, alle Technik wurde direkt zu Musik, auch tat sie nicht einmal so, als würde es ihr schwerfallen. Riesig die Stimmungspalette, die Sibelius dem Soloinstrument zur Verfügung stellt und die Mutter voll auskostete. Sie trug ihrerseits Zitronenfaltergelb, zu zitronenfaltergelb, um es unbeachtet zu lassen. Das rhythmisch Vertrackte, das hier so sagenhaft unmanieriert dargeboten wurde, war ein Motto des Violinkonzertes und des gesamten Abends.

Als sich das Orchester endlich stärker einschalten durfte, vor allem im pfiffigen dritten Satz mit einem galoppartigen Beginn und einer charmanten Kaffeehausmusikeinlage, geschah das mit großer Verve und Disziplin.

Zum Gedenken

Die nicht alltägliche Kombination der Weltgeigerin Mutter mit dem Danish National Symphony Orchestra lohnte sich für die Zuhörer, auch wenn sie unter anderen Umständen zustande kam. Vor einer ihrer makellosen Bach-Zugaben erinnerte Mutter an den 2014 verstorbenen ehemaligen Orchester-Chef Rafael Frühbeck de Burgos, der den Abend ursprünglich hatte leiten sollen. Mit ihm, mit dem sie einst ihr Spanien-Debüt absolviert habe, habe sie eine lange künstlerische Freundschaft verbunden. Der jüngere Cristian Macelaru war ein engagierter und natürlich wohlpräparierter Ersatz.

Carl Nielsens Ouvertüre zu „Maskerade“ stand eingangs als eine Art dänische Ehrensache auf dem Programm, als geschmeidige Masse ließen sich die Musiker durch das vorerst brav muntere, dann aber kecke, klippenreiche und große Präzision einfordernde Stück führen. Konventionell, aber kompakt und frisch zeigte sich nach der Pause Johannes Brahms’ 1. Sinfonie, mehr ein Streicher- als ein Bläsertriumph.

Dass inzwischen auch im Pro-Arte-Konzert testweise zwischen den Sätzen applaudiert wird, ist deprimierend und erwähnenswert. Mutter, restlos konzentriert, nahm es aber mit einem freundlichen Lächeln hin.

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