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Tele-Novella-Burgherrin ist Natalie Ribbons, der kein Jubeln und Jodeln zu schwer ist. Foto: Kill Rock Stars
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Tele-Novella-Burgherrin ist Natalie Ribbons, der kein Jubeln und Jodeln zu schwer ist.

Kammerfolk

Tele Novella: „Merlynn Belle“ – Dornröschen mit Eidechse

  • VonOlaf Velte
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Musik für seltsame TV-Serien: Tele Novella sind die Western-Troubadoure des Kammerfolk.

Sensible, ja geradezu zart besaitete Menschenkinder oder dem Irdischen längst entschwebte Spinner? Eine Frage, die sich während einer 32-minütigen Laufzeit mehrfach stellt. Wer ist hier am Werk? Die Band nennt sich Tele Novella, ihre zweite, gerade veröffentlichte Platte ist „Merlynn Belle“ überschrieben.

Aufgenommen wurden das Zehnerpäckchen an ihrem jüngst auserkorenen Lebensmittelpunktort, der südöstlich von Austin zu finden ist: In Lockhart – immerhin „Barbecue Capital of Texas“ – hat Sam Peckinpah vor einem halben Jahrhundert sein „Getaway“ in Szene gesetzt. Dass Tele Novella in Bildern denken, ist vielleicht kein Zufall – mühelos lassen sich ihre Kompositionen in merkwürdige TV-Serien integrieren, lassen sogar verschämte Broadway-Assoziationen zu.

Heute wollen wir „Merlynn Belle“ als ein frühreifes Geschöpf aus dem Hause Folkpop bezeichnen. Burgherrin ist die Liedschreiberin und Sängerin Natalie Ribbons, die unter ihre instrumentalen Tugenden auch „Whistling“ und „Garden Weasel“ einreiht. Tatsächlich ist sie mehr Dornröschen als Windsbraut. In Sacramento hat sie vorzeiten der Band Agent Ribbons ihre Stimme geliehen, damals noch im Dienste eines gitarrengesteuerten Sanftrock-Modells. Auch die vor fünf Jahren eingeläutete und mit dem Texas-Einzug einhergehende Frühphase von Tele Novella bietet noch beschwingten Schrammel im Lo-Fi-Gewand.

Das Album

Tele Novella: Merlynn Belle. Kill Rock Stars.

Durch die Jahre gerettet hat sich jedoch eine Verkleidungsvorliebe, die zuweilen schwer ins Theatralische tendiert. Ist es verwunderlich, dass Frau Ribbons unter dem Namen „Magic Mirror“ in Lockhart einen Klamotten-Shop betreibt? Auf der neuen Scheibe lebt sich die Truppe – zu der noch Sarah La Puerta, Jason Chronis und Danny Reisch gehören – jedenfalls ungehemmt aus, gestaltet einen Mix aus Troubadourschmelz, Westernswing und Opiummystik. Exquisit ist die mit minimaler Technik eingefangene Klangstimmung, für die neben vielen Perkussionsgerätschaften auch Vibraphon, Harmonium und Kastenzither in Stellung gebracht wurden.

Inmitten des zauberischen Kammerfolk-Trabens vertraut alles der wandlungsvollen Ribbons-Stimme, der kein Jubeln und Jodeln und Jammern zuwider ist. Und welche Wesen sich in diesen so kindlich-einfachen wie seltsam-verdrehten Songs ein Stelldichein geben! Helden mit gebrochenen Herzen klammern sich an illuminierte Schreine, während kleine, einsame Perlen von dem in einer Papierkrone wohnenden Juwel getröstet werden.

Ach, die herausgeschnittenen Herzen erweisen sich dann doch nur als trockene Muscheln. Ein sich aus Sechziger-Sonderbarkeiten speisendes Panoptikum, das in der schönen Cowgirl-Müdigkeit von „Technicolor Town“ mündet. „They’re playing my song / But no one knows the words / They hear it and, to them, / It sounds absurd / They may not understand / I hope they never do.“

Märchentante Natalie sagt im Gespräch gerne „Fuck“, noch lieber aber fängt sie Eidechsen und Kröten mit der bloßen Hand. Texas ist ihr jetzt heilig. – Dort würden sich diese Tierchen im Vergleich zu Kalifornien langsamer bewegen. Sagt die Tele-Novella-Frontfrau. Und: „Arme Leute werden von Ameisen öfters gebissen als reiche.“

Fakt ist auch, dass die zuständige Plattenfirma Kill Rock Stars – Gratulation nach Portland! – mittlerweile seit 30 Jahren besteht. Noch immer ein Hort der Wagemutigen und Rebellischen, der Wortgewaltigen und Rasenden. Angekündigt sind Jubiläumsalben und Sondersingles – dem Motto gehorchend „Stars Rock Kill (Rock Stars)“. Die erste Kerze hat Tele Novella nun in den Baum gesteckt.

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