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Jordi Savall beim Musikfest „Eroica“.

Musikfest „Eroica“

Tatatatamm: Die Fünfte beim Musikfest „Eroica“

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Zur „Eroica“ gesellt sich in der Alten Oper Frankfurt die Fünfte, mit dem Concert des Nations unter Jordi Savall.

Ein Bekenntnis zu Freiheit sowie ein Urknall der Musikgeschichte zugleich sei die „Eroica“ – so lautet das Framing des Musikfests der Alten Oper Frankfurt, und wir sind aufgefordert, den Idealen der Französischen Revolution treu zu bleiben. Da tut es gut, im Programmheft des Konzerts mit der 3. und 5. Sinfonie, geleitet von Jordi Savall, einen ebenso unaufgeregten wie fundierten Text von Wolfgang Stähr zu lesen, der mit einschlägigen Legenden um den „politischen“ Beethoven aufräumt und das damals weitverbreitete Genre des Heroischen in Theater, Oper und Musik als auch für Beethoven geltend darstellt.

Auch der ominöse Urknall ist ja, wenn man solche Klischees schon nutzen möchte, wohl eher ein Werk wie die unverdauliche „Große Fuge“, die ins 20. Jahrhundert verweist und die niemand hören mochte. Zumal die Musik der Französischen Revolution nichts anderes ist als vereinfachte Gebrauchsmusik der nach der Abschaffung des Hofs arbeitslos gewordenen Komponisten, die jetzt von der Republik beziehungsweise vom Dreierdirektorium bezahlt wurden. Bevor sie nach dessen Ende wieder den alten Auftraggebern zustrebten.

Beethoven hat seine „Eroica“ Prinz Louis Ferdinand gewidmet, der in der Schlacht gegen Napoleons Truppen in Saalfeld gefallenen preußischen Symbolfigur des Befreiungskriegs gegen den Okkupator. Sowohl das Prometheische (3. Sinfonie) als auch der Kampf mit und der Sieg über das Schicksal (5. Sinfonie) sind damals ästhetische Moden, zu deren Befeuerung die republikanischen Militär- und Prozessionsmusiken sowie die Tanzformen zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten boten. Lässt man also die Kirche bzw. den Tempel der Göttin Vernunft im Dorf, dann hat man es mit einer faszinierenden Transgression von (aristokratischem) High zu (republikanischem) Low und (durch die Beethovensche Kreativität) zu erneutem (jetzt genie-ästhetischem) High zu tun.

Wie viel an Raffinesse, an blendenden Verstrebungen diverser idiomatischer Versatzstücke in den Sinfonien steckt, das kam durch Jordi Savall und seine Musiker, die nun seit dreißig Jahren als Le Concert des Nations zusammen spielen fast immer bestens zur Geltung. Für ein historisch orientiertes Ensemble groß besetzt (gut 50 Spieler) hielt man sich an die „kleinen“ Zahlenwerte der Metronomangaben des Komponisten, was zügigste Tempi bedeutete.

In der „Eroica“ erzeugte das noch an einigen wenigen Stellen leichte Unschärfe, die dann bei der c-Moll-Sinfonie gänzlich verschwunden war. Die harte Tektonik mit ihrem „Tatatatamm“-Reduktionismus hätte kaum scharfkantiger ausfallen können.

„Eroica“-Musikfest der Alten Oper Frankfurt: bis 29. September. www.alteoper.de

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