Alte Oper

Sie tanzen, sie rufen und antworten

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Die fabelhafte Sängerin Nawal Mlanao sowie der Zulu-Chor Afrika Mamas in der Frankfurter Alten Oper.

Wiederholt rapide Wechsel der Stimmungen. Ein wenig vergröbernd: Kontemplative, zeitgenössisch aufgearbeitete Traditionsbezogenheit versus ausgelassenes Entertainment. Die Brüche haben einen Teil des Reizes dieses Doppelkonzerts mit der von den Komoren, einer vor der Ostküste Afrikas gelegenen Inselgruppe im Indischen Ozean stammenden Sängerin Nawal Mlanao und dem Zulu-Chor Afrika Mamas aus der an ebenjener Küste gelegenen südafrikanischen Metropole Durban in der Weltmusikreihe im bestens besuchten Mozartsaal der Frankfurter Alten Oper ausgemacht. Zu Beginn ein erster kurzer Auftritt von Nawal Mlanao, mit einem unbegleiteten spirituellen Gesang nach Art der Sufi, der islamischen Mystiker, deren rituelle, auf die Erlangung eines Zustandes der Trance angelegte Musikkultur auf das Mittelalter zurückgeht.

Andächtige Stille. In diese Stimmung brechen, beidseits von hinter dem Auditorium her, lautstark und unvermittelt die sechs in satten Farben geschmückten Frauen von Afrika Mamas mit ihren strahlkräftigen Stimmen und Perkussionsschildern herein. Die Show des in einer zum Glück unaufdringlichen Art auf Energie und Lebenslust gestimmten, vor gut zwanzig Jahren von der Sopranistin und Leiterin Ntombifuthi Maureen Lushaba gegründeten a-cappella-Ensembles ist auf eine Feier des Individuums und seiner Ausdrucksmöglichkeiten angelegt, mit Tanzeinlagen immer wieder. Jede der Sängerinnen, sämtlich alleinerziehende Mütter, tritt solistisch hervor. Grundlegend für den meisterhaften Gesang ist das Prinzip von Ruf und Antwort. Manchen Songs ist eine Nähe zum Gospel eigen oder auch zum Doo-Wop, einzelne Nummern sind durchsetzt mit Trillern oder Schnalzlauten.

Die Frauen versprühen Zuversicht: bei den Songs handelt es sich um Appelle für Liebe, Respekt und Frieden. Und, explizit in einer der Ansagen herausgestellt, gegen die (männliche) Gewalt wider Frauen und Kinder. Im Programmheft wird das Konzert im Übrigen als eine Art Nachschlag zum Musikfest „Eroica – Musik als Bekenntnis“ gehandelt.

Dann wieder die fabelhafte Nawal Mlanao. Dass sie auch – moderat – Partylaune zu verbreiten imstande ist, wird sie später offenbaren, zunächst aber spielt sie eigene Songs, als eine in der Tradition ihrer Heimat weltoffen verwurzelte Singer/Songwriterin, die sich selbst begleitet auf der Langhalslaute Gambusi oder auch Qanbüs, der Rahmentrommel Daf oder der akustischen Gitarre. Eine in der Zurücknahme mit ihrer dunkel getönten Stimme einnehmend präsente Musikerin. Die eher gedämpfte Musik ist geschöpft aus einem stilbewussten Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne.

Fragwürdig allein der Slogan, unter dem dieses Konzert annonciert worden ist. „Starke Frauenstimmen aus Afrika“ – wie wenn man kein Zutrauen hätte, dass die – hierzulande noch nicht so populären, aber das ändert nichts – Musikerinnen und ihre Namen für sich stehen können.

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