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Tamara Lukasheva.
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Tamara Lukasheva.

Kunstlied & Jazz

Tamara Lukasheva „Gleichung“: Alte und neue Häuser

  • VonHans-Jürgen Linke
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Das Solo-Album „Gleichung“ der Sängerin Tamara Lukasheva.

Gleichung“, sagt Tamara Lukasheva, sei nicht unbedingt mathematisch gemeint, obwohl sie als Komponistin viele Berührungen zwischen Musik und Mathematik kennt. „Gleichung“ soll eher auf etwas Ausgeglichenes hindeuten, auf eine Balance, ein Gleichgewicht. Zum Beispiel in ihrer inneren Verfassung bei der Arbeit an diesem Album.

Tamara Lukasheva ist geboren in Odessa am Schwarzen Meer, und aufgewachsen in einer Familie mit Musikerinnen und Musikern. Die so genannte klassische Musik gehörte zu ihrer Erstausstattung. Mit zwölf kam sie zum ersten Mal mit Jazz in Berührung, studierte dann Klavier und Gesang, dazu Jazz-Klavier und Jazz-Gesang, erst in Odessa, dann an der Musikhochschule „Sergej Prokofief“ in Donezk. Mit Anfang 20 war sie eine professionelle Jazz-Sängerin. Sie begann, eigene Musik zu komponieren, und zog nach Köln.

Dort lebt sie seit über einem Jahrzehnt, arbeitet in verschiedenen Formationen, unter eigener Leitung oder als Mitmusikerin. Für ihre Arbeit hat sie eine beachtliche Reihe renommierter Auszeichnungen bekommen.

Jetzt hat sie ein Solo-Album eingespielt, mit ausschließlich eigenen Kompositionen, und sie begleitet sich selbst am Klavier. Nichts, sagt sie, sei auf dem Album zu hören, was nicht ihrer eigenen Entscheidung und ihren eigenen Gestaltungsideen entspräche.

Das Album:

Tamara Lukasheva: Gleichung. wismART.

Sängerinnen im zeitgenössischen Jazz haben das Problem, dass einerseits die eigene Stimme ein raffiniert beherrschtes und improvisierend eingesetztes Musikinstrument ist, dass andererseits das Material der Arbeit immer auch aus Texten besteht. Die sind, im Falle von Jazz-Standards, nicht unbedingt das, was man gern sänge.

Tamara Lukasheva hat sich also in dem Sprachraum, den sie sich seit mehr als einem Jahrzehnt erschlossen hat, auf die Suche nach Texten gemacht, die sie als Komponistin anregen. Dabei ist sie unter anderem auf die deutsche Romantik gestoßen, auf Clemens von Brentano und Novalis, aber auch auf die sozialistische Frauenrechtlerin Clara Müller-Jahnke, auf Rilke und Fontane.

Das ergibt eine sehr subjektive und alles andere als sortenreine Mischung. Gleichwohl steht die Musik eher in der Traditionslinie des europäischen Kunstliedes. Nur manchmal klingt dezent der Jazz durch, und die Artikulationen der Stimme sind leise, raffiniert und nuancenreich und verzichten auf Gestaltungsweisen, wie sie in der so genannten klassischen Musik üblich sind. Tamara Lukasheva sucht und findet eigene Formen und Wege. Und ihr manchmal leise durchschimmernder Akzent verweist auch auf die Position der Fremdheit, aus der heraus sie sich das sprachliche Material angeeignet hat.

Mit großer Eigenständigkeit

So ist „Gleichung“ ein ganz und gar eigenständiger Beitrag zur weiten Welt des Liedes geworden, in dem zusammenkommt, was Tamara Lukasheva als zusammengehörig wahrnimmt.

Ein Song nur beschäftigt sich mit einem im weiteren Sinne muttersprachlichen Text: „Neue Alte Häuser“ vertont ein Gedicht von Asja Klimanova – einer russischen Autorin, die 2010 im Alter von nur 17 Jahren starb und auch zu Hause nur in kleinen Zirkeln bekannt ist. Auch wenn Tamara Lukasheva hier mit der gleichen kompositorischen und artikulatorischen Raffinesse arbeitet wie in allen Stücken des Albums, wirkt sie bei diesem Lied doch übermütiger und einen Hauch heimischer.

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