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Geigerin Vilde Frang und Dirigent Peter Eötvös.
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Geigerin Vilde Frang und Dirigent Peter Eötvös.

Alte Oper

In subtilste Klangregionen

  • VonBernhard Uske
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Peter Eötvös, als Dirigent, aber auch als Komponist, und Geigerin Vilde Frang in Frankfurts Alter Oper.

Kultursensibler ambulanter Pflegedienst“ – solche Hinweise auf Autos signalisieren Dienstleistungen, die die lebensweltliche Hinterwelt ihrer Kundschaft berücksichtigen. Kultursensibel ist auch die Ästhetik Peter Eötvös’ beim Verfassen seines großorchestralen Memorials für die im Mittelmeer ertrunkenen Migranten gewesen. Ihnen wollte der 75-jährige Komponist einen abendländischen „Requiem“-Titel nicht zumuten. Er wählte für seine Trauermusik von 2016 statt dessen „Alle vittime senza nome“.

Eine großartige Geste, die keinen pflegerischen Einsatz kostet. Aber im Verein mit seufzermotivisch angereichertem Legato-Habitus in reizvoll schwankenden Großbewegungen und solistischen Intonationen ethnophonischer Qualität einen guten Eindruck macht. Mit mal herben und dräuenden, dann wieder fein versunkenen Klangzügen. Philharmonische Veredelung des Elends, das, wenn es nicht die das Hören schon vorprogrammierenden Stereotype des Titels gäbe, auch für ganz andere Assoziationen brauchbar wäre.

Gespielt wurde das alles vom hr-Sinfonieorchester wunderbar; der Schöpfer der Klangbewegungen dirigierte überlegen und bedächtig, was er auch beim 1. Violinkonzert Béla Bartóks von 1907 tat. Hier war Vilde Frang die Solistin, die mit vehementem Vibrato, das gar nicht zu ihrem schlanken Ton passt, antrat. Im Verlauf der Darbietung verlor sich das einigermaßen und gab den Weg frei für überragende Aufgänge in subtilste Klangregionen, die einen weniger knappen und verschlossenen denn glühenden und schmelzenden Bartók vertraten.

Dennoch war die solistische Klangquelle im Kontext des Tuttis und auf den Großen Saal der Frankfurter Alten Oper bezogen, schlecht repräsentiert, teilweise kaum hörbar und blass bleibend. Gleichwohl nicht uninteressant, die oft hölzerne und herbe, ja scharf gebeizte Atmosphäre der Violinkonzerte des ungarischen Komponisten einmal so heruntergepegelt zu erleben.

Ein zweites Eötvös-Stück folgte nach der Pause: „The Gliding of the Eagle in the Skies“ – ein seit 2011 mehrfach umgearbeitetes 12-minütiges Werk, das mit retro-romantisch versetzten spektralistischen Klangformen wie eine zeitgenössische sinfonische Dichtung erscheinen konnte. Zum Abschluss der „Psalmus Hungaricus“ von Zoltán Kodály. Ein Oratorium, das 1923 entstand und eine national-religiöse Bekenntnismusik erster Ordnung darstellt. Phänomenal waren die Sänger der Internationalen Chorakademie Lübeck, und Tenor István Kovacshazi verausgabte seine schöne Stimme vollkommen. Brausender Abschluss eines ungarischen Abends.

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