Camilla Nylund und ihr Begleiter Helmut Deutsch.
+
Camilla Nylund und ihr Begleiter Helmut Deutsch.

Camilla Nylund

Strömende Stimme in dichtem Geschehen

  • vonBernhard Uske
    schließen

Der so feine wie expressive Liederabend der Sopranistin Camilla Nylund in der Frankfurter Oper.

Im Januar wird sie die Gräfin in Richard Straussens „Capriccio“ an der Oper Frankfurt geben, Camilla Nylund, die 48-jährige Finnin, die viele der großen Sopran-Partien weltweit singt. Strauss ist dabei ein Schwerpunkt, der sie als Marschallin des „Rosenkavalier“ auch an die Met in New York führt. Die Primadonna der „Ariadne“ ist ebenfalls in ihrem Repertoire, und so war es naheliegend, dass die zweite Hälfte des Liederabends in der Frankfurter Oper dem kompositorischen Kraftgenie aus München gewidmet war. Mit eher ungeläufigen Vertonungen, aber auch mit den „Letzten Liedern“. Nylunds strömende, schön vibrierende und steigerungsfähige Stimme ist für dramatische Partien ideal, weil bei vollem Einsatz doch ein Duktus des Beherrschtseins gewahrt werden kann.

Das machte die letzte Zeile von „Ich liebe dich“: „Dir nach in den Tod!“, mit seinem Fortissimo-Höhenstrahl auf der temporalen Präposition zu einem Schlüsselreiz. Nicht nur für die Publikumsbegeisterung, sondern auch für das Bild eines herrlichen, nach oben abgehenden Liebestod-Aktionismus. Helmut Deutsch war der pianistische Begleiter, der anstachelte und sich stark in den vokalen Prozess einmischte. Viel mehr als Strauss das selber tat in seinen Aufnahmen als Begleiter mit seiner Tendenz zu zurückhaltender, dem Sentiment nicht abholder Note.

Wunderbar gelang beim anderen Schwerpunkt des Abends, der Gustav Mahler vorbehalten war, das „Urlicht“ aus „Des Knaben Wunderhorn“. Es sprach für die interpretatorische Sensibilität der Sängerin, in „O Röschen rot!“ das nachgestellte Adjektiv so ruhig, flächig und doch gewichtig zu bieten wie es hier geschah.

Das war das Interessante dieser Interpretationen: eine dramatische Stimme, die ihr homgenes Register so einsetzt, dass die Lieder irgendwie vergrößert scheinen, aber doch in den Relationen ihrer gestalterischen Faktur verbleiben. Vor der Erlösungshoffnung des „Urlichts“ erklang höchst beziehungsreich „Das irdische Licht“, wo sich der Tod des um Brot bittenden Kindes in der ständig verzögernden mütterlichen Notlinderung als ein rollendes, dichtes und volumenstarkes Geschehen abspielte.

Begonnen hatte der Liederabend mit Werken von Nylunds Landsmann Jean Sibelius aus all seinen Schaffensperioden mit höchst unterschiedlichen Kreationen. Von ihnen machten den stärksten Eindruck diejenigen eines herben, autochthonen Klangs, der an die einschlägige Expressivität von Leo? Janácek erinnerte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare