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Strahlen, krachen

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Von: Stefan Michalzik

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Zum Abschluss des Deutschen Jazzfestivals: Ashley Henry mit seinem Quartett im Frankfurter Mousonturm.
Zum Abschluss des Deutschen Jazzfestivals: Ashley Henry mit seinem Quartett im Frankfurter Mousonturm. Foto: Sascha Rheker/hr © Sascha Rheker/hr

Ashley Henry schließt das 53. Jazzfestival prächtig ab – singen sollte er allerdings nicht

London ist ein Zentrum des derzeitigen Jazz-Hypes, den eine stilistische Vielheit mit ausgeprägten historischen Bezügen kennzeichnet. Da ist eine neue Spiritualität, die an Titanen wie John Coltrane und Pharoah Sanders anknüpft, da wird der Afrobeat von Fela Kuti und Tony Allen aufgegriffen wie auch der Fusion-Ansatz eines Herbie Hancock.

Der Pianist Ashley Henry, 1991 als Sohn eines jamaikanischen Einwanderpaares in South London geboren, stellt sich in dieser Referenzhölle auf die Position eines ausgeprägt popaffinen, energetischen Jazz. Beim Konzert mit seinem Quartett zum Abschluss des 53. Deutschen Jazzfestivals im ausverkauften Frankfurter Mousonturm konnte einem mitunter der Vergleich mit Esbjörn Svensson in den Sinn kommen. Eher zurückgenommen ist im Vergleich zu seinem 2019 herausgekommenen Debütalbum „Beautiful Vinyl Hunter“ der hier mitprägende Faktor HipHop.

Da geht es explizit um Dynamik, um den Groove. Mit anderen Worten: das Quartett – Henry an Klavier und Fender Rhodes Piano, Alec Hewes, der zwischen akustischem und elektrifiziertem Bass wechselt, der Schlagzeuger Myele Manzanza sowie zum Teil John Woodham an Trompete und Flügelhorn – lässt es krachen. Derart feuerwerkerisch, dass es am Ende stehend gefeiert wird. John Woodham ist ein Trompeter der Brillanzklasse Marke Maynard Ferguson; Hewes und Manzanza sind mit ihrem feinziselierten Spiel hochpräsent, letztlich jedoch fokussiert sich alles ganz klassisch auf den Leader.

Da pulst sie, die Musik

Der ist technisch phänomenal beschlagen. Es sind vor allem Bud Powell und Horace Silver wie auch der junge, noch nicht elektrifizierte Herbie Hancock, an die Henry markant anknüpft. Das ist eine pulsierende Musik von gewinnender Vitalität und cooler Raffinesse. Sehr auf Wirkung, auf Strahlkraft angelegt. So weit, so ansehnlich (wenngleich auch nicht im Übermaß aufregend).

Scheußlich allerdings wird es, wenn Ashley Henry zu singen anfängt. Respektabel noch die Spoken-Word-Performance in „Colors“, einer Manifestation zur Rolle der Schwarzen in der Musikkultur Londons. Stimmt er hingegen Nina Simones „Mississippi Goddamn“ an oder auch eigene Soulballade, wirkt das in erster Linie zahm. Die kläglich schmale Stimme vermag nicht ernstlich Gefühle zu transportieren. Wenn es mit der Stimme nun einmal nicht so weit her ist, warum singen? Auf dem Album hat Henry es bleiben lassen und dafür eine Reihe von Gästen engagiert. Er täte gut daran, es auch auf der Konzertbühne so zu halten.

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