Mousonturm

Der Stoff, der die Musik zusammenhält

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Ein rhythmusbetontes Konzert zum Abschluss des Festivals „Frankfurter Positionen“.

Eine Gemeinschaft verschiedener natürlicher Arten bezeichnet man als Biozönose, und eine verschiedener kultureller Art des Musizierens könnte demnach eine Phonozönose heißen. Eine solche hat sich zum Abschluss des Festivals „Frankfurter Positionen“ im Mousonturm gebildet und unter dem Titel „Crossing Roads“ ein Konzert gegeben. Der Große Saal, fast ausverkauft, fungierte in Analogie zum Biotop als Phonotop und gab Gelegenheit, die in Parallelaktion oder auch Synthese agierenden musikalischen Organismen zu erleben.

Zwei Arten, die sich wiederum in verschiedene (Instrumental-)Familien untergliederten, waren zum einen 13 Musiker des Ensemble Modern und zum anderen zehn Musiker der Initiative „Bridges – Musik verbindet“, die aus nicht-abendländischen Kulturzusammenhängen stammen. Tar, Oud, Kanun, Kaval, Tabla und mehrfach Gesang waren hier die Klangquellen des Orients.

Den Masterplan für die klingende Einheit hatte Uwe Dierksen konzeptioniert: ein 60-minütiger Reigen von westlichen und arabisch-mongolisch-eritreischen Intonationen, mal solistisch, mal als Tutti. Der synthetisierende Klangstoff, das wurde schnell deutlich, war immer der Rhythmus. Jenes Element, in dem der Populismus der Musik offensichtlich weltweit steckt. Fast weltweit, denn die ostasiatische Musik ist davon kaum affiziert. Motorischer Rhythmus also, und dieser seit frühesten Zeiten bis heute durchhaltend, ist der eigentlich phonozönotische Stoff der Musik, und auf ihn versteht sich Dierksen, wie soeben seine Leitung bei der Jugend-Oper „Mina“ im Bockenheimer Depot zeigte, ganz vorzüglich.

In der Folklore sind solche Momente besonders attraktiv ausgebildet in den südosteuropäischen Formen zwischen Csárdás, Sirtaki und zingaresischen Formaten, nach denen gegen Ende im Cross-Over der Crossing-Roads manches klang. Davor hatte es zwischen den Stücken und Sessions von den Musikern vorgetragene Texte gegeben: Beobachtungen zu Landschaften, Reflexionen auf metaphorisch gedeutete Natur- und Technikvorgänge, gewitzte Bemerkungen einer wechselseitigen Stereotypen-Freude der diversen Völker und Ethnien. Alles völlig unangestrengt und als atmosphärisches, stimmungsanreicherndes Geschehen vermittelt. Manchmal tauchte das alte Frankfurter Kurorchester-Schema mit Bach-, Schubert-, 2.-Wiener-Schule- und neutönerischen Geräuschklanghäppchen auf; hier vermischt mit vokalen Resonanzen anderer Kultur.

Glücklicherweise geriet das Publikum, trotz einiger Ansätze bei den Zugaben, nicht in die Sackgasse des Kollektivklatschzwangs.

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