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Da weiß auch jeder, was zu tun ist: Stefan Karl Schmid (3. v. l.) und das Oktett. 

Album

Stefan Karl Schmid: „Pyjama“ – Begonnen am frühen Morgen

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Komponist und Träumer: Stefan Karl Schmids Oktett-Album „Pyjama“.

Auf der Website kann man nachsehen, wann Stefan Karl Schmid wo und mit wem spielt. Das sieht aus nach einer beachtliche Ereignisdichte mit überaus weiträumigem stilistischen Einzugsbereich: innerhalb weniger Tage kann man ihn im Saxophon-Satz der HR-Bigband hören, mit dem Quintett des Pianisten Volker Engelberth, mit eigenem Quintett und eigenem Trio, mit der freien Kölner Bigband „Subway Jazz Orchestra“ – und schließlich auch mit dem Projekt-Oktett, mit dem er sein aktuelles Album eingespielt hat. Es trägt den Titel „Pyjama“ und wirkt ausgesprochen ausgeschlafen.

Vergleichsweise gemütlich

In den Liner Notes, in denen Stefan Karl Schmid zu jedem Stück und zum gesamten Album Anmerkungen macht und Stimmungen, Referenzen, kompositorische Eigenarten und Erklärungen liefert, kokettiert er auch ein wenig mit einer kreativen und vergleichsweise gemütlichen Situation am frühen (oder auch späteren) Morgen zwischen den Träumen und Erregungen der vergangenen Nacht und dem heraufziehenden Ernst des Tagwerks.

Das Album

Stefan Karl Schmid: Pyjama. Tangible Music.

Kann sein, dass die initialen Ideen für die Musik auf dem Album tatsächlich auf Skizzen basieren, die zu solch unentschiedener Zeit entstanden sind. In der Ausführung aber ist von unentschlossen-verschlafenem Leichtsinn nichts zu hören, allenfalls von einer souveränen Leichtigkeit, zu der er sich mit den anderen sieben Musikern und Musikerinnen vorangearbeitet hat.

Schmids Stücke machen insgesamt einen so sorgfältig ausgearbeiteten, scheinbar von keinerlei Zufall verwirrten und klanglich präzise gestalteten Eindruck, dass man Überblick und Detailfreude der kompositorischen Arbeit bewundern muss. Klar, mit acht Musikern kann man nicht einfach spontaneistisch daherspielen, da sollte jeder schon einigermaßen wissen, was zu tun ist – und das zu vermitteln, ist nun mal Komponisten-Aufgabe.

Andererseits ist der Anteil der individuellen gestalterischen Fähigkeiten jedes und jeder Einzelnen an der klanglichen Gestalt enorm. Nie erstickt die Musik in bekannten Bläsersatz-Klangfloskeln, nie artet sie einfach aus in mutwillige Losgeh-Phasen. Dass Satzarbeit und Soli so flüssig auseinander hervorgehen und wie immer wieder neue klangliche Reibungen und Zusammenhänge entstehen, kann nicht nur Folge von schwarzen Punkten auf liniertem Papier sein, sondern ist Konsequenz von Freiheiten, die in den Kompositionen enthalten sind und delegierte Verantwortungsräume eröffnen, in denen gestalterischer Reichtum sich entfalten kann.

Schmids Bandleader-Arbeit ähnelt vermutlich der eines Regisseurs, der es mit eigensinnigen Darstellern zu tun hat und es irgendwie schafft, deren Ausdrucksfähigkeiten unbeschnitten, aber gruppendienlich miteinander zu vereinbaren. So bekommt jedes Stück seine individuelle Gestalt, alles ist am richtigen Platz, niemand wird beengt. Die orchestral-disziplinierte und die individualistisch-kreative Seite der Musik koexistieren fein ausbalanciert und zugleich wunderbar lässig miteinander. Ob das titelgebende Kleidungsstück damit zu tun hat?

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