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Stefan Karl Schmid.
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Stefan Karl Schmid.

Jazz

Stefan Karl Schmid „Muse“: Aus dem Hintergrund

  • vonHans-Jürgen Linke
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Stefan Karl Schmids erweitertes Trio-Album „Muse“.

Stefan Karl Schmids Muse ist zurzeit ein Saxofon-Trio, klassisch besetzt mit ihm selbst am Tenorsaxofon, dem Kontrabassisten David Helm und Schlagzeuger Thomas Sauerborn. Es ist ein Musterbeispiel an filigraner, transparenter Zusammenarbeit dreier Individualitäten.

Schmid, seit 2020 Professor an der Mannheimer Musikhochschule, gehört im Spektrum des zeitgenössischen Jazz zu den leiseren, vielgestaltigen und unprätentiösen Temperamenten. Er schätzt eher kultivierte als expressive Artikulationen – wobei „kultiviert“ und „expressiv“ nicht unbedingt Gegensätze sein müssen. Schmid schöpft aus einem großen Reservoir an Möglichkeiten.

Den Titel „Muse“ des Albums erläutern im Booklet zwei Lemmata aus dem „Oxford Dictionary“ und dem „Cambridge Dictionary“ als durchaus nicht deckungsgleiche Bedeutungsfelder: das eine nimmt die Muse als Personifikation einer Inspirationsquelle, das andere als ein Verb, das man mit „grübeln“ übersetzen könnte.

Das Album entstand in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit dem vorangegangenen, das den ausgeschlafenen Titel „Pyjama“ trug, und es wurde am gleichen Ort (im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks) aufgenommen. Beide sind eher von Konzentration, Raffinesse und der Entfaltung von Melodik geprägt als von jazztypischen Steigerungs-Dramaturgien. Der Reichtum dieser Musik steckt nicht in ihrem Losgeh-Potential, sondern vor allem in ihrer Intensität. Bei „Muse“ stehen sechs Musiker in der Besetzungsliste, aber sie bilden kein Sextett, sondern sind so eingesetzt, dass sie das Trio jeweils zum Quartett ergänzen.

Lässig vorbei am Komplexen

Das Eröffnungs-Stück hat als Titel das isländische Zahlwort „fimmtán“, fünfzehn, und ist vom unerweiterten Trio gespielt. „Fimmtán“ arbeitet mit speziellen ungeraden Metren, denen das Zahlwort des Titels zugrunde liegt, und mit verschiedenen Tempo-Gestaltungen. Das alles geschieht mit souveräner Lässigkeit, die über die strukturellen und performativen Komplikationen dieser Komposition hinwegspielt. Wer allerdings hier nichts Strukturell-Komplexes hören mag, kommt trotzdem auf seine Kosten bei einer wunderbar filigranen Trio-Konstellation, einer schwungvoll dahin schwebenden, differenziert artikulierten Solo-Strecke des Tenorsaxofons und einer ungemein aufmerksamen, feinsinnigen und sparsamen Arbeit von Bass und Schlagzeug.

Zwei Stücke auf dem Album sind nicht von Stefan Karl Schmid geschrieben. Eines basiert auf einem isländischen Volkslied, das von der Stimmung überm Fjord handelt. „Fagurt er í fjörðum“ heißt es, und die Bearbeitung, versichert Schmid, sei so, dass des Originals Kundige das Lied auch in dieser Form wiedererkennen würden. Das andere Stück ist Warne Marshs „Background Music“. Marsh war Protagonist des sogenannten Cool Jazz, der für Schmid eine historische Inspirations-Quelle ist. Auch hier spielt nur das Trio, und die „Background Music“ wird einerseits fast wie nebenbei, andererseits so raffiniert gespielt, dass das Hintergründige und Doppeldeutige daran zu einer kunstvoll auf die Spitze getriebenen Botschaft wird.

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