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Van Morrison widmet sich schon von jeher dem musikalischen Erbe mit ähnlicher Vehemenz wie seinem eigenen Backkatalog, nicht nur bei seinen Konzerten.

Van Morrison

Ein Ständchen irgendwo in Belfast

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Es gibt Neues von Van Morrison und als Zugabe auch noch eine DVD.

Van Morrison ist ja nicht gerade dafür bekannt, dem Publikum sein Herz auszuschütten, abseits seiner Songs natürlich, aber vor ein paar Tagen war dann doch mal eine Wortmeldung auf seiner Webseite zu lesen, die einen kleinen Einblick in sein Seelenleben zuließ. Unter der Überschrift „Official Statement“ teilte der irische Musiker dort mit, dass er sich von seiner Frau getrennt habe.

Oder sie sich von ihm, wie auch immer. In seinem Alter sei eine Scheidung eine „langwierige und höchst ermüdende Angelegenheit“, lässt der 72-Jährige wissen, der rund zwanzig Jahre lang mit Michelle Rocca, Miss Irland von 1980, verheiratet gewesen ist und zwei Kinder mit ihr hat. Den irischen Zeitungen war die prominente Scheidung eine größere Berichterstattung wert.

Dass die kleine Meldung hier im Kulturteil ihren Platz findet, hängt mit einem Begleitumstand dieser privaten Verwerfungen zusammen, der für alle Van-Morrison-Freunde Anlass zur Freude sein kann. Im Kontext seiner Scheidung hat der Eigenbrötler nämlich gleich ein neues Album angekündigt, bei dem er sich zur Abwechslung mal wieder namhafte Begleitung gesucht hat.

Ende April erscheint „You’re Driving Me Crazy“, eine Platte, die er mit dem amerikanischen Jazzorganisten Joe DeFranesco aufgenommen hat, der in seiner langen Karriere neben vielen anderen mit Miles Davis, Jimmy Smith und Ray Charles zusammengespielt hat. Im Repertoire haben die beiden hart swingenden Musiker Standards von Cole Porter und Johnny Mercer und auch ein paar frische Interpretationen älterer Morrison-Hits wie „Have I Told You Lately“, „The Way Young Lovers Do“ und „Magic Time“.

Nun widmet sich Morrison schon von jeher dem musikalischen Erbe mit ähnlicher Vehemenz wie seinem eigenen Backkatalog, nicht nur bei seinen Konzerten. Die Dinge im Fluss zu halten, ist Teil seines kreativen Prozesses. Interessant ist die Dringlichkeit, mit der er derzeit zu Werke geht. Seine annoncierte LP ist nach der Blues-Hommage „Roll With The Punches“ und seinem Crooner-Album „Versatile“ bereits die dritte Veröffentlichung mit neuen Aufnahmen innerhalb eines halben Jahres. Vielleicht erklärt sich diese Rastlosigkeit aus seiner Situation. Die Flucht in die Arbeit – respektive Musik – , ist ja ein probates Mittel, persönlichen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Gewissermaßen als Zugabe zu dieser Trilogie gibt es noch eine DVD mit zwei Konzertmitschnitten, die Van Morrison bei Auftritten aus den Jahren 2015 und 2016 zeigen. Die letztgenannte Show ist dabei das Hauptprogramm, sie wurde für die BBC-Reihe „In Concert“ vor Studiopublikum gefilmt und bietet Morrison Raum für eine Retrospektive seines mittlerweile 38 Alben umfassenden Gesamtwerkes. Ist er zunächst noch am Saxofon zu hören, widmet er sich später ganz dem Gesang, so expressiv und getrieben, wie lange nicht. Der Clou dieser DVD ist allerdings das etwas beiläufig als Bonus deklarierte Konzert vom 31. August 2015. An seinem 70.Geburtstag hatte sich Van Morrison in seiner Heimatstadt Belfast selbst ein Ständchen gebracht, auf einem Podium inmitten der Cyprus Avenue, jener Straße, in der er aufwachsen ist und die er so oft besungen hat. Ein magischer Moment.

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