Konzert

Staatstheater Wiesbaden: Es ist ein Orchester!

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Musikerinnen und Musiker des Staatsorchesters spielen Tschaikowski und Mozart im Großen Haus.

So dicht an einen Orchesterklang war lange nicht mehr heranzukommen. Als das Staatsorchester Wiesbaden jetzt Peter Tschaikowskis Serenade für Streichorchester spielte, dirigiert von Generalmusikdirektor Patrick Lange, da stellte sich nicht das Gefühl von früher ein. Aber das Publikum bekam doch einen Eindruck davon, was Orchestern, diesen wertvollsten, qualifiziertesten, kompliziertesten und vielfältigsten Klangkörpern, ohne ein besonderes Wunder in den kommenden Monaten möglich sein könnte. Es ist nicht komplett, aber es ist ein Anfang und Übergang zu besseren Zeiten.

Zuerst also 24 Streicherinnen und Streicher, locker verteilt auf der Bühne des Großen Hauses im Staatstheater Wiesbaden, aber so locker auch wieder nicht. Jeder hatte ein eigenes Pult, der Dirigent hat durch den größeren Kreis viel Platz. Und natürlich gibt er dem Konzertmeister nicht die Hand.

Tschaikowskis Serenade ist ein innigliches Werk, für keinen der Beteiligten schweißtreibend und für die Zuhörer entspannend (außer man hat ein zu kleines Kind mit in den Saal gebracht), ohne spannungslos zu sein. Die Sehnsucht, die im gleichen Augenblick durch das Anhören der jeweiligen Musik entfacht und gestillt, gestillt und entfacht wird, bekam durch die lange Pause eine enorme Dimension. Lange und sein Orchester widerstanden der Gelegenheit, die Musik zu groß und süß werden zu lassen, der Walzer ein Tanz der Federn und das russische Finale volksmusikalisch tüchtig, ohne platt zu wirken.

Nach der Pause eine Serenade für die Bläser, Mozarts „Gran Partita“. Wie aus dem unverschämt Einfachen große Musik entsteht, wird hier idealtypisch vor- und betörend zart und luftig durchgeführt. Lange und seine Combo waren geduldig, aber die scharfen Klangmöglichkeiten der Holzbläser wurden auch genutzt. Oboen, Klarinetten, Bassetthörner, Waldhörner, Fagotte und ein Kontrabass jetzt auf der Bühne, und die Abstände zwischen den 13 Beteiligten waren noch etwas größer. Auch das Publikum verteilte sich wieder großflächig – längst nimmt der Mensch, dieses flexible Wesen, einen solchen Raum als vollbesetzt wahr, und das zu Recht. Der große, sehr große Applaus meinte offensichtlich sowohl die Darbietung als auch die Veranstaltung an sich.

Orchesterversuche überall in der Region, unter anderem mit dem „Lied von der Erde“ in der Kammerorchesterversion, am heutigen Dienstag in Mainz sowie am 1./2. Juli in Wiesbaden.

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