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Viktoria Mullova

Für Staat und Freiheit

  • VonBernhard Uske
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Das Museumsorchester und die Geigerin Viktoria Mullova mit einem Sibelius-Beethoven-Programm in Frankfurts Alter Oper.

Zwei musikalische Nationalheroen, beide in die Befreiungskriege ihrer Länder involviert, bot das vorletzte Konzert der Saison bei der Frankfurter Museumsgesellschaft. Finnland, erobert von russischen Truppen, fand ihn in Jean Sibelius, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in Ludwig van Beethoven, der erst ein Befürworter Napoleons, dann ein entschiedener Gegner des revolutionskaiserlichen Imperialismus war. Sibelius blieb so etwas wie ein Exportschlager finnischen Nationalismus’, Beethoven dagegen ist schließlich eine Art universale Klangikone für die gehobene Form von Befreiungs- und Gedächtnisfeierlichkeiten aller ideologischer Couleur geworden.

Durchbrüche aus bedrückenden Schatten hin zum pathetisch Lichtvollen sind bei staatstragenden Befreiungskünstlern typische Formate, und so geht es auch bei „Finlandia“ zu, einer Erhebungsmusik, die Sibelius 1899 für eine patriotische Szenenfolge in lebenden Bildern komponierte. Ziemlich lärmig legten die Musiker des Museumsorchesters unter der Leitung von Michael Sanderling die gut zehn Minuten hin: unausgewogen das Polternde und Blecherne im Vordergrund.

Danach war dann ein viel besserer Sibelius-Klang zu erleben im Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47, das 1904 uraufgeführt wurde. Viktoria Mullova spielte jetzt den Solo-Part. Ein ganz klassizistischer Vortrag, beherrscht in moderatem Tempo, absolut aufgeräumt im Klangverlauf, der auf theatralische Solo-Effekte gänzlich verzichtete.

Das hatte in den zurückgenommenen Partien einen hohen Grad an artikulatorischer Finesse, die auch in den korrespondierenden Aktivitäten des Tutti zu erleben war. Man blieb bei mittlerer Temponahme auch im finalen „Allegro, ma non tanto“, was für Sibelius’ folklore-affine Kehraus- und Tanzcharakteristik starke Drosselung bedeutete und das Kauzige, auch Ungebärdige, völlig in den Hintergrund treten ließ. Das war kein Verlust angesichts des makellosen und festen Tons, den die 57-jährige Russin im Verein mit der perfekten und schönen Körperhaltung ihres Auftritts zu verbinden wusste.

Das Befreiungs- und Erstürmungspathos von Beethovens 5. Sinfonie bescherte zuletzt den Zuhörern ein vibratoloses Streicherspiel. Dazu aber keinen Orchester-Bellizismus mit knallenden Paukenschlägen und mit bleckenden Marsch-Attitüden. Der 50 Jahre alte Sanderling zeigt sich nicht als ein Orchestergeneral, der mächtig zum Sturm blies, um seine Musiker gewaltige Schlachten schlagen zu lassen.

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