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Annie Clark alias St. Vincent.
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Annie Clark alias St. Vincent.

Neues Album

St. Vincent „Daddy’s Home“: Den Stab weiterreichen

  • VonStefan Michalzik
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Inspiriert von weiblichen Ikonen der Popkultur: St. Vincent und ihr neues Album „Daddy’s Home“.

Annie Clark alias St. Vincent gehört zu den großen Popkünstlerinnen unserer Tage. Sie ist eine Rollenspielerin, und sie eignet sich immerfort neue musikalische Stilmittel an. Vom Songwriterpop ihrer frühen Tage um das Debüt „Marry Me“ (2007) über Anleihen bei Soul, Funk und Rock bis zuletzt einer ausgesuchten Anverwandlung von Dancefloorbeats mit einem gewissen Prince-und-Sheila-E.-Feeling auf ihrem letzten Album „Masseducation“(2017). St. Vincent spielt nicht retrohaft mit den Stilen, sie macht sie zu ihrer eigenen Sache.

Auf „Daddy’s Home“, ihrem grandios stilbewussten neuen Album, ihrem sechsten, spielt die Musik der frühen Siebzigerjahre zwischen Soul, Funk und Psychedelia eine große Rolle. Ein Teil der Songs ist geprägt von surrealistischer Anmutung mit schleppenden Rhythmen. Andere wiederum erscheinen gelöst und beschwingt – keineswegs handelt es sich um ein düsteres Werk. Erstmals tauchen hier Referenzen an den Country samt Verwendung der Pedal-Steel-Guitar auf im Kosmos der 1982 in Oklahoma geborenen und teilweise in Texas aufgewachsenen Musikerin. In ihrer Jugend hatte sie starke Vorbehalte gegen diese einst als reaktionär gescholtene Musikrichtung, doch hat sich diese ja seit den Achtzigerjahren in vielerlei Hinsicht diversifiziert.

Über Menschen mit Fehlern

Das Album:

St. Vincent: Daddy’s Home. Caroline/Universal.

Annie Clark hat in einem Radiointerview von „einer Sammlung von Kurzgeschichten über Menschen mit Fehlern, die in perfekten Umgebungen versuchen, über die Runden zu kommen“ gesprochen. In „The Melting Of The Sun“ verweist sie auf die Inspiration durch große weibliche Figuren aus der Geschichte der Popkultur des 20. Jahrhunderts wie Marilyn Monroe und Joni Mitchell. Ihnen sei oft übel mitgespielt worden. Nina Simone beispielsweise sei wegen ihres Engagements für Bürgerrechtsbewegung und Black Power von der Musikindustrie bestraft worden. Als weiteres Beispiel nennt Clark Tori Amos, die schon in den frühen Neunzigerjahren sexuelle Übergriffe zum Thema gemacht habe und dafür ins Abseits gestellt wurde. „Ich wollte diesen Frauen für ihre großartige Kunst danken und dafür, dass sie mein Leben als Künstlerin leichter gemacht haben. Und ich hoffe sehr, dass ich den Stab weiterreichen kann und es der nächsten Generation einfacher mache.“

Der letzte Song – hernach schließt sich nur noch eines von drei kurzen Interludien an – gilt Candy Darling, dem „ersten Trans-Star“, wie Annie Clark sie nennt, die in einigen Filmen von Andy Warhol in Erscheinung getreten und 1974 jung gestorben ist.

In „My Baby Wants A Baby“ klingt deutlich die Melodie von „9 to 5 (Morning Train)“, Sheena Eastons Trällerliedchen von 1980, an; der Text indes stellt eine konträre weibliche Haltung zu jener bei Easton dar: Die Sprecherin will vom Kinderwunsch ihrer Partnerin – Annie Clark liebt Frauen – und der damit einhergehenden Häuslichkeit nichts wissen.

„Daddy’s Home“ – diesen Titel trägt das Album, da Annie Clarks Vater nach einer langjährigen Haftstrafe wegen Finanzschiebereien im großen Stil wieder auf freiem Fuß ist. Aus Gesprächen mit ihm über das New York Anfang der Siebzigerjahre, einer vibrierenden Stadt, die abgerissen und pleite war, entstand die Idee eines Albums mit expliziten Anspielungen auf die Musik, die Atmosphäre und das Feeling dieser Ära.

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