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Musik

Spott auf’s Stichwort

  • VonBernhard Uske
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„Die schöne Magelone“ von Ludwig Tieck und Johannes Brahms mit Christian Gerhaher und Ulrich Tukur.

Fünfzehn Gedichte, die bei Ludwig Tieck in einem Ritterroman stehen, die er mit romantischen Absichten aus provencalisch-deutschem Mittelalter reanimierte, hat der 28-jährige Johannes Brahms ab 1861 vertont. „Die schöne Magelone“ – ein Lieder-Zyklus, der zwischen himmelhochjauchzender Liebe und zu Tode betrübter Niedergeschlagenheit eines sangesfreudigen Ritters reichhaltig ausgestaltet ist.

Man kann die Lieder kontextlos als einen Reigen präsentieren. Man kann aber auch, wie es jetzt bei der Aufführung von Christian Gerhaher und Ulrich Tukur im Mozart Saal der Alten Oper geschah, überleitende, von Lied zu Lied deren Einsatz motivierende kurze Textteile aus dem Tieckschen Werk hinzunehmen, wie es bald nach der Fertigstellung der gesamten Liedfolge nach 1869 oft geschah. Dann ist das Ganze eine Liebesgeschichte mit Höhen, Tiefen und einem Happy End, die, weil in 90 Minuten realisiert, dramaturgisch ziemlich einfältig wirkt. Nach jedem neuen, kurz berichteten Schicksalsschlag, Hoffnungsschimmer, Trennungsabenteuer und Todesbangen: ein Lied als Zaubermittel für alle misslichen Situationen in Liebesdingen.

Die ziselierte, das nostalgische Gefühl für eine vergangene erotisch-heroische Zeit aktivierende Sprache Tiecks ist bei Gerhaher durch eine Fassung ersetzt worden, die 2011 von Martin Walser verfertigt wurde. Reduziert in der Ornamentik der retrospektiven Ambitionen des 1853 mit achtzig Jahren verstorbenen Tieck, ersetzt sie die romantische Ironie durch spöttische Resignation, die das fünfzehnmalige Liedauftauchen im jetzt sehr profan wirkenden Erzählverlauf schnell auf das Motto von Heinz Erhardt hinaus laufen lässt: „noch’n (gesungenes) Gedicht!“

Das macht Ulrich Tukur ganz vorzüglich vor. Der für doppeldeutige, sacht abgründige Rollen prädestinierte Schauspieler glänzt mit sardonischer Diktion und findet eine Balance zwischen Eloquenz und Enerviertheit. So steht dann der Sänger, der für die Handlungsfortsetzung sein baritonales Lösungsmittel immer parat hält, fast ein wenig unbeholfen und bemitleidendswert da und muss auf’s spöttische Stichwort hin, das viele Lacher im Publikum auf seiner Seite hat, für noch ein Lied seine Stimme erheben.

Die ist bei den lyrischen, lang geführten Vokalzügen sehr schön im Gleiten und dabei fein timbriert. Bei den turbulenten, gezackten Ausschlägen ins hohe Laute aber etwas zu pauschal und ungestaltet heftig. Körnig und distinkt setzte dazu Gerold Huber die charakteristischen Idiome, die Brahms dem Klavierpart anvertraut hat.

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