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Spotlight-Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt: Andrés Orozco-Estrada erklärt die Welt, nein, die Musik. Foto: Ben Knabe / hr
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Spotlight-Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt: Andrés Orozco-Estrada erklärt die Welt, nein, die Musik.

Sendesaal am Dornbusch

Spotlight mit dem hr-Sinfonieorchester: Sozusagen die Moldau

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Auch ohne Publikum im Saal ist viel los beim Spotlight-Konzert mit Andrés Orozco-Estrada und dem hr-Sinfonieorchester.

Die Spotlight-Konzerte mit Andrés Orozco-Estrada sind genau die Werbung, die jeder so gerne für sich und seine Branche machen will, aber so einfach ist das ohne den bald scheidenden Chefdirigenten des hr-Sinfonieorchesters offensichtlich nicht. Mit ihm hingegen wirkt das wie ein Mordsspaß einerseits, andererseits wie der größte Ernst der Welt, dann nämlich wenn wieder Musik erklingt, und seien es nur ein paar Takte, ein Flötensolo, die Klarinette für einige Sekunden. Jedes Mal wird dann wieder klar, dass der Mensch problemlos plappern und professionell sein kann, ohne viel Zeit dazwischen legen zu müssen.

Einiges war diesmal anders, zur Online-Übertragung war ein sinfonieorchesterfernes hr3-Duo mit im Sendesaal am Dornbusch, so dass noch etwas mehr als sonst geredet, aber eben auch Kontakt zur Außenwelt gehalten wurde. Tanja Rösner kommunizierte mit der Außenwelt, Tobi Kämmerer redete. Auch hantierte er mit Rittergeschichtenrequisiten. Das hätte uns mit sechs sehr gut gefallen, dachten wir blasiert, wobei sich später zeigte, dass tatsächlich erstaunlich viele Sechsjährige in der Leitung waren. Die Radioleute kennen sich einfach aus.

Es ging um Konzert-Ouvertüren von Felix Mendelssohn Bartholdy, „Das Märchen von der schönen Melusine“, „Die Hebriden“ und „Meeresstille und glückliche Fahrt“, greifbare, aber nicht zu sehr durchgenudelte Musik. Zwischen dem makellosen Orchesterspiel ließen sich Märchen und Gedichte vortragen und wirkungsvolle Vergleiche mit anderen Wassermusiken probieren. Es durfte mitgeraten werden. Doris setzte gleich auf die „Moldau“. Das stimmte insofern, als es in der Schule wirklich immer die „Moldau“ war. Glücklicherweise konnte Rösner aber bald verkünden, „ganz viele“ schrieben auf Youtube und Facebook jetzt „Rheingold“. Rösner sagte das sozusagen ergebnisoffen, aber auf die Schwarmintelligenz eines Konzertpublikums ist auch Verlass, wenn es versprengt ist.

Überhaupt ein toller Moment, da „Die schöne Melusine“ und „Rheingold“ in dieser wässrigen Passage einander nicht bloß ähneln, sondern praktisch identisch sind. Orozco-Estrada sprach also höflich davon, dass Wagner sich durch Mendelssohn habe inspirieren lassen, während Kämmerer rief, er habe gedacht, das sei geklaut. War ihm bewusst, wie sehr er – der lieber den Unbedarften spielte, er habe mal nachgeschaut, wo die Hebriden liegen und so – den Nagel auf den Kopf traf?

Im Großen und Ganzen gab natürlich Orozco-Estrada den Takt vor, der zuerst einmal ausführlich seine Familie in Wien und Kolumbien begrüßte (auf eine solche Gelegenheit habe er lange gewartet) und dann vernünftige Zuschauerfragen beantwortete wie: Ob er mehrere Taktstöcke habe und ob diese unterschiedlich seien. Er habe durchaus mehrere, aber sie seien alle gleich. Zum Beispiel sei ihm einmal der Taktstock nach hinten geflogen und er habe ihn daraufhin dem Zuschauer geschenkt, der ihn zurückbringen wollte. Woran man wieder sieht, dass Konzerte die reinsten Actionveranstaltungen sind. Darum kam nachher auch die Frage, ob man beim Dirigieren abnimmt (ja und nein, unterm Strich also nicht).

Auch aus England, Brasilien, Kolumbien („meine Mutter, meine Mutter“), so Rösner, schickten Menschen ihre Nachrichten. Zwischendurch kam noch die Meldung eines LKW-Fahrers rein, der an einer Autobahnraststätte zuhöre, längst nicht mehr als einziger. Es konnte einem ganz heilig zumute werden angesichts der Macht der Musik, ohne Witz.

Das Spotlight steht wie alle aktuellen Konzerte weiterhin auf Youtube via hr-sinfonieorchester.de zur Verfügung. Auch beim am Donnerstag live gesendeten Sinfoniekonzert gab es Werke von Mendelssohn Bartholdy.

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