Albrecht Mayer

Spitzbübisch und feinsinnig

  • vonVolker Schmidt
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Der Oboist Albrecht Mayer und die Musici di Roma in der Alten Oper.

Der Bart ist ab. Albrecht Mayer kommt ohne den Gesichtsflaum in die Alte Oper, mit dem der Oboist seit dem Album „Bonjour Paris“ von 2010 und zuletzt auf dem Cover von „Vocalise“ (2016) ein Signal für (Frankreich-)Romantik setzte. Jetzt ist er mit barocker Musik und den Musici di Roma auf Tour, und es wird ein erfreulich klarer, manchmal gar kantiger Konzertabend.

Die elf Streicher und das Cembalo eröffnen ohne den Oboisten mit der Sinfonia aus Antonio Vivaldis Oper Il Giustino; später folgt vom selben Komponisten ein Concerto für Streicher und Cembalo. Weitgehend auf Instrumenten aus Vivaldis Lebzeiten, frisch, beweglich, feinsinnig dynamisch.

Ob Johann Sebastian Bach die Konzerte, die Mayer interpretiert, nun zunächst für Cembalo komponierte oder die „rekonstruierten“ Fassungen für Oboe die „echten“ sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Man kann’s auch lassen und genießen. Das wird dadurch erschwert, dass – wohl aus der versehentlich eingeschalteten Lautsprecheranlage – ein Grundrauschen im Raum liegt, das jedem Hifi-Freak Magenkrämpfe verursachen würde. Auch in profaneren Ohren schadet es den Piano- und Pianissimo-Passagen doch sehr. Ein weiteres Malheur trübt den Genuss: Zweimal muss Mayer abbrechen, weil Kondenswasser im Instrument den Klang stört. Das kann passieren, Oboen sind notorisch sensibel.

Händel als perfekte Bühne

Mayer überplaudert charmant seine Versuche, die Klappen trockenzulegen. Trotzdem fällt es beim dritten Anlauf schwer, nicht auf den nächsten Abbruch zu lauern. Das ist schade, denn Mayer und die Musici, allen voran Violinsolist Antonio Anselmi, geben einen sehr geschmeidigen, lebendigen Bach. Manchmal wünscht man sich die Klänge in einen intimeren Rahmen; der Große Saal sitzt weit um die feingliedrige Kammermusik. In der Pause findet jemand den Schalter, das Rauschen verschwindet, die Oboe bleibt trocken. Zum Erfolg des Solisten der Berliner Philharmoniker gehört die spitzbübische Direktheit, mit der durch seine Programme führt. Mayer und der Arrangeur Andreas Tarkmann haben aus drei Opern-Arien und einem Satz aus einem Orgelkonzert ein Händel-Konzert gebastelt. Das Pasticcio ist die perfekte Bühne für Mayers makelloses Spiel. Sanglich, federnd, scheinbar mühelos trotz des für das Doppelrohrblatt nötigen Lungendrucks.

Vor der farbenfrohen Sinfonie für Streicher von Carl Philipp Emanuel Bach regt der Oboiost an, bitte die Streicher ausgiebig zu beklatschen, dann werde er noch was spielen. Der Aufforderung hätte es nicht bedurft. Seine Zugaben kennt man: Die Händel-Arie „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper „Rinaldo“ und einen Chanson des Parisers Reynaldo Hahn. Da hätte der frankophile Bart wieder gepasst.

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